Die Kamera war bereits in der Luft. Die Aufnahmen waren für morgen geplant. Bei Bad Boys for Life sah Ferdi Fischer eine Möglichkeit, beides zusammenzubringen: einen WarpCam®-Operator in den Bildhelikopter setzen, während die Action darunter ohnehin schon gedreht wurde. Nach seiner Beschreibung sparte das mindestens einen halben Drehtag.
Dort beginnt dieses Gespräch. Eine Kameraposition verändert das Bild. Das Bild verändert, wie sich eine Szene inszenieren lässt. Das kann die Arbeit einer ganzen Unit verändern.
Kleine Kamera, kleine Möglichkeiten? Ein Spezialwerkzeug für eine spektakuläre Perspektive? Ein Gimbal am Stick? Solche Annahmen lassen vieles aus, was das System ausmacht. STUNT.BLOG wollte es gemeinsam mit Fischer von Grund auf beleuchten: mit dem Erfinder und Operator, Action Director, Stunt Coordinator und Filmemacher, der die Technik mit der Darstellung und der gesamten Produktion verbindet.
Wir haben diesem Interview Raum gegeben. Aus dem ursprünglichen Gespräch, Nachfragen und Archivrecherchen vom 22. Oktober bis zum 1. November 2026 wurden 30 Kapitel und 133 Fragen: wie Stunt Design und Action-Kameraführung gemeinsam entstehen, welche Verantwortung eine Floating Action Unit übernimmt, wie Hyper-WarpCam® entwickelt wurde und was Produzenten, Showrunner, Regisseure, DoPs und Werbefilmteams vor der ersten Aufnahme entscheiden können.
Das Gespräch wurde auf Deutsch geführt und liegt hier als redaktionell bearbeitete deutsche Lesefassung vor. Die ausführlichen Antworten bleiben auf der gesamten Seite offen zugänglich. Originalfilme, Produktionsfotos und Making-of-Vergleiche stehen neben den jeweils passenden Passagen.
Das vollständige Gespräch: 30 Kapitel, 133 Fragen, Originalbeispiele aus den Produktionen und eine datierte Dokumentation der Hyper-WarpCam®-Entwicklung.
Von Anfang an lesen oder direkt in die folgenden Kapitel zu Produktion, Stunt Design, Kamerasystemen und Highspeed einsteigen.
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Die Helikopteraufnahmen, die einen halben Drehtag gespart haben
Die erste Frage ist eine Produktionsentscheidung: Was passiert, wenn sich die für morgen geplanten Bilder schon heute drehen lassen?
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie bist du bei Bad Boys for Life darauf gekommen, die Helikopter-Innenaufnahmen mitzudrehen, während die Action unten ohnehin schon lief?
Ferdi FischerAntwort
Wir hatten mehrere Fluggeräte im Einsatz. Da war der schwarze Picture-Helikopter, geflogen von Fred North, der selbst Teil der Szene war. Dann gab es einen Kamerahelikopter, Drohnen und die übrige Ausrüstung. Die Figur im Picture-Helikopter schoss auf einen Konvoi unten. Geplant war, die Perspektiven aus diesem Helikopter am nächsten Tag separat zu drehen: die POV, die Over-the-Shoulder-Aufnahmen, den Blick nach unten auf die Action und die Innenaufnahmen des Helikopters.
Dafür hätte man die Brücke in Atlanta erneut sperren, die Stuntfahrer und Fahrzeuge wieder herholen und die Action unten einschließlich einer Explosion wiederholen müssen. Ich habe vorgeschlagen, einen WarpCam® Operator in den Picture-Helikopter zu setzen, während diese Action ohnehin gedreht wurde. Die Kamera war so klein, dass man sie in den Außenaufnahmen möglicherweise gar nicht sehen würde. Und falls doch, war mein Argument, dass man sie in der Postproduktion relativ schnell und einfach herauspainten könnte.
Dazu kam ein Stunt, bei dem ein Double von einem Lkw an die Leiter sprang, die am Helikopter hing. Wir brauchten den Blick von oben auf ihn, während der Helikopter versuchte, ihn abzuschütteln. Das konnten wir genauso wie den Over-the-Shoulder-Blick über die Waffe, die Explosion von oben und die Innenaufnahmen bei der Arbeit mitdrehen, die an diesem Tag ohnehin stattfand. Damit haben wir der Produktion am Folgetag mindestens einen halben Drehtag gespart.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was hat die Produzenten überzeugt, und was Regie und DoP?
Ferdi FischerAntwort
Das waren unterschiedliche Argumente. Für die Produzenten war entscheidend, wie viel Geld wir sparen konnten, wenn wir etwas sofort mitdrehten, wofür ein halber nächster Tag angesetzt war.
Für Regie und Kamera kam dazu, dass wir viel schneller und einfacher auch noch bessere Shots machen konnten. Das war kein Kompromiss mit Qualitätseinbußen. Das feste, größere Rig, das für den nächsten Tag vorgesehen war, wäre weniger flexibel gewesen. Die Aufnahmen wären weniger kreativ, komplizierter umzusetzen, weniger zahlreich und vor allem weniger zusammenhängend gewesen. Was vielleicht wie eine improvisierte Alternative aussah, war tatsächlich die bessere Lösung. Als ich Produktion, Regie und Kamera die Vorteile erklärt hatte, war es ein No-Brainer, das sofort zu machen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was musstet ihr am Helikopter oder an der Kamera verändern?
Ferdi FischerAntwort
Nichts. Genau das ist der Punkt. Wir mussten nur einen meiner Operator mit der WarpCam® am Stick hineinsetzen. Die physische Kamera war im Helikopter, der Rest des Operatings fand von der Ground Station aus statt.
Physical Operator, Virtual Operator und Focus Puller waren über unsere Funkheadsets ständig miteinander in Verbindung. Wir konnten gleichzeitig sprechen und empfangen. Der Physical Operator wusste bereits, welche Shots wir brauchten, und bewegte die Kamera so, dass der Virtual Operator am Boden sie optimal framen konnte. Wenn etwas geändert werden musste, konnten wir das sofort miteinander besprechen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie hat das die Bilder selbst verändert?
Ferdi FischerAntwort
Durch die Shotlist wussten wir, was die Geschichte brauchte: den Over-the-Shoulder-Blick, die feuernde Waffe, die Explosion unten und den Blick zur Leiter. Es geht um das Narrative. Diese Bilder liefern das, was du brauchst, um die Geschichte später im Schnitt weiterzuerzählen.
Sie hatten das als einzelne Einstellungen gedacht. Mit der Stange war es aber so, als hätten wir einen handheld geführten Kran im Helikopter. Wir konnten von Over-the-Shoulder hinaus zur Explosion gehen und dann nach unten zu der Person, die an die Leiter sprang. Als sie sahen, dass sich diese einzelnen Anforderungen in einer Bewegung verbinden ließen, wollten sie genau das. Zusätzlich haben wir noch irrsinnig viel anderes Material gedreht.
Ich war nicht der Operator im Helikopter. Ich habe einem meiner Operator gesagt, welchen Shot wir brauchten, und er hat sich so positioniert, dass er die Bewegung hinbekam. Es gab kein schwieriges Abstimmungsproblem. Das ist eine der Stärken eines eingespielten Teams: Jeder versteht, welches Bild wir brauchen. Die Kamera gibt uns die Flexibilität, es umzusetzen.
Die wichtigste Voraussetzung ist, dass Kameraabteilung, DoP und Regie begreifen, wie flexibel WarpCam® in Echtzeit ist. Die Erfahrungen mit den Beschränkungen anderer Systeme können ihre Vorstellungskraft begrenzen. Der entscheidende Schritt ist, dass sie uns sagen können, welchen Shot sie brauchen, und darauf vertrauen, dass das WarpCam® Team ihn liefert.
Die Lösung schon in der ersten kreativen Besprechung kennen
STUNT.BLOG / FRAGE
Was bringt es einer Produktion, dich schon bei den ersten kreativen Gesprächen dabeizuhaben?
Ferdi FischerAntwort
Ich habe das gesamte WarpCam® Ökosystem und das ganze SlamArtist.com Universe im Kopf. Dieses Wissen kann ich schon anwenden, während die ersten kreativen Entscheidungen getroffen werden, direkt in der Besprechung.
Ob ich als Showrunner, Regisseur, Action Director, Stuntkoordinator, DoP oder mit einer Floating Action Unit dabei bin: Ich weiß, was wir mit dem gesamten Ökosystem machen können. Wenn ein Aufnahmeproblem auftaucht, für das die anderen im Raum keine Lösung haben, kann ich schon erklären, wie wir es drehen können, wie wir es drehen sollten und was ich vorschlagen würde.
Das ist ein enormer Consulting-Vorteil. Er hat sich immer wieder bei Produktionen bewährt, bei denen ich von Anfang an kreativ dabei war, ob Fast & Furious, Jawan oder The Gray Man. Ich kann diese Möglichkeiten vorschlagen, weil ich Fähigkeiten unseres Ökosystems kenne, die die anderen nicht kennen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Hilft dieses Wissen auch dann, wenn eine Produktion gar keinen WarpCam® Einsatz geplant hat?
Ferdi FischerAntwort
Absolut. Manchmal bin ich rein als Stuntkoordinator in einer Besprechung. WarpCam® ist überhaupt kein Thema, vielleicht will die Produktion sie nicht oder hat das Budget dafür nicht.
Trotzdem kommen Fragen auf, an denen sich die Leute wirklich die Zähne ausbeißen, obwohl sie für unser Ökosystem völlig unkompliziert sind. Sie versuchen, Dinge zu lösen, über die ich nicht zweimal nachdenken muss. Zu wissen, dass diese Möglichkeiten existieren, ist gerade am Anfang unglaublich wertvoll, weil ich die Lösung in die Besprechung einbringen kann.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was für ein Aufnahmeproblem kannst du schon in dieser ersten Besprechung lösen?
Ferdi FischerAntwort
Stell dir eine Flucht durch ein Fenster auf eine dieser Metallfeuertreppen an der Rückseite eines amerikanischen Gebäudes vor. Die Figur rennt die Treppe hinunter, und wir wollen eine adrenalingeladene Verfolgung, ganz nah an den Figuren, mit Leading und Following Shots.
Mit konventionellen Ansätzen denkt man vielleicht an eine Totale von außen, eine lange Brennweite oder kurze Abschnitte, die von einer Plattform seitlich neben der Treppe gedreht werden. Aber damit bekommt man nicht diese nahe vorauslaufende oder verfolgende Action, die man sich eigentlich vorstellt.
Mit der kleinen WarpCam® kann unser Physical Operator direkt hinter dem Performer durch das Fenster und ihm die Treppe hinunter folgen. Oder der Operator geht zuerst durchs Fenster und läuft voraus, mit der Kamera nach hinten gerichtet. Der Virtual Operator framed die Bilder. Genau das haben wir bei 21 Bridges gemacht.
So einen Shot können wir in Minuten umsetzen. Schon in der Besprechung zu wissen, dass wir das können, verändert die Diskussion sofort.
Das WarpCam® Ökosystem
Kamera, Träger und geschulter Operator gehören in dieselbe Betrachtung. Die Namen beschreiben unterschiedliche Teile dieses Arbeitssystems.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was bezeichnet WarpCam® heute?
Ferdi FischerAntwort
WarpCam® ist ein sehr weitreichendes, umfassendes Ökosystem aus Plattformen, die mit Kamerasystemen verbunden sind. Das muss man sich ein bisschen wie Lego vorstellen. Ich habe die Erfahrungen, die ich am Set gemacht habe, zusammengeführt und ein System um die Probleme herum gebaut, die mir immer wieder begegnet sind.
Eine Kamera wird vielleicht ewig lang an ein Auto gebaut, während die gesamte Produktion wartet. Oder man mietet eine weitere Kamera und verbringt Stunden mit riesigen Montageprozeduren, nur um etwas völlig Unspektakuläres zu drehen. Manchmal kommt eine Kamera nicht tief genug, weil so viel unter dem Sensor sitzt. Manchmal ist sie so groß, dass der Operator sie nicht lange halten oder wegen der Trägheit dieser Masse nicht schnell genug bewegen kann. Oder sie ist zu schwer, um von einer schnellen FPV-Drohne getragen zu werden.
Das gesamte System ist stabilisiert, und jede Plattform und jede Halterung funktioniert innerhalb von Sekunden nach dem Plug-and-Play-Prinzip. Ich habe die Montagesysteme mit neuen Sensoren, neuer Stabilisierung und neuer Technologie zusammengebracht, um dieses Ökosystem zu bauen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Warum basiert euer Montageansatz auf Picatinny Rails?
Ferdi FischerAntwort
Ich habe einen Montageansatz aus Systemen entwickelt, die an Waffen für Optiken, Griffe, Nachtsichtoptiken und ähnliche Ausrüstung verwendet werden: Picatinny Rails. Ich habe sie so modifiziert, dass sie leicht, klein und schnell einzusetzen sind.
Sie sind überall auf der Welt zu bekommen, und vor allem funktionieren sie und sind erprobt. Sie sind kriegs- und kampferprobt in Konflikten auf der ganzen Welt. Sie halten. Diese Systeme habe ich mit der Kameratechnologie zusammengeführt.
STUNT.BLOG / FRAGE
Warum gehören die Operator zum WarpCam® Ökosystem?
Ferdi FischerAntwort
Denk an ein spezielles Fahrzeug mit besseren Bremsen, mehr Leistung, extremer Performance, außergewöhnlichen Reifen und Grip. Um es zu fahren, brauchst du auch besondere Fähigkeiten. Genauso ist es bei WarpCam®.
WarpCam® ist für den Zieleinsatz Action konzipiert. Um diese Action lesen zu können, brauchst du ein spezielles kognitives Skill-Set, das sich in den meisten Fällen Stuntperformer angeeignet haben. Die meisten Kameraoperatoren haben diese körperlichen Fähigkeiten nie erlernt und haben deshalb auch dieses Timing nicht. Das ist einfach so.
Ich habe gemerkt, dass es ein vollständiges Ökosystem sein muss. Das sieht man, wenn Leute versuchen, WarpCam® zu kopieren. Kameraoperatoren versuchen es, aber ihnen fehlen die kognitiven und körperlichen Stunt- und Action-Skills. Stuntperformer versuchen es, aber ihnen fehlen die Kamera-Skills und die technologischen Skills der tatsächlichen WarpCam®.
Da greifen so viele unterschiedliche Teile ineinander. Daraus ist auch die Floating Action Unit entstanden: wie eine Spezialeinheit am Set, die die besonderen Shots erzeugt, die der normale Produktionsablauf nicht hinbekommt.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie ist WarpCam® in das SlamArtist.com Universe eingebunden?
Ferdi FischerAntwort
SlamArtist.com ist das Dach über all diesen Dingen. Das SlamArtist.com Universe ist das Universum über diesen unterschiedlichen Aktivitäten. MD Pictures ist eine Marke innerhalb dieses Universums, und WarpCam® ist eine Marke von MD Pictures, das zum SlamArtist.com Universe gehört.
Unter diesem Dach gibt es unterschiedliche Firmen, Produkte und Marken. Das SlamArtist.com Universe umfasst das gesamte Action-Spektrum: Performance, Stuntdesign, Action-Regie, Second-Unit-Regie, Stuntkoordination, Rigging und das gesamte WarpCam® Ökosystem.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was bedeutet WarpDrive® innerhalb des WarpCam® Ökosystems?
Ferdi FischerAntwort
WarpDrive® ist alles, bei dem WarpCam® fest an einem Fahrzeug montiert ist und gefahren wird. Der Ursprung waren RC-Cars: ferngesteuerte Autos, die so flach gebaut sind, dass sie unter andere Autos kommen.
Heute gehören auch unser Quad-Aufbau, Motorräder und andere Fahrzeuge dazu. Der gemeinsame Punkt ist, dass die Kamera fest auf der Plattform montiert ist, die sie fährt.
STUNT.BLOG / FRAGE
Warum nutzt ihr für WarpDrive® ein Quad, und wann ein Motorrad?
Ferdi FischerAntwort
Auf dem Quad sitzt WarpCam® vorne auf einem gefederten Arm, wie ein Mini-Russian-Arm oder ein kleiner Kamerakran auf dem Fahrzeug.
Mit einem Quad können wir viel präziser langsam fahren, auch auf Schnee, rutschigem Untergrund und Sand. Wir können außerdem stehen bleiben, ohne dass jemand die Füße absetzen muss. Fahrtechnisch würde ich sagen, dass für ungefähr 80 Prozent unserer Situationen das Quad besser geeignet ist. Für die anderen 20 Prozent montieren wir WarpDrive® auch fest an Motorrädern: vorne, hinten oder an der Seite, wo wir es eben brauchen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was umfasst WarpSpeed®?
Ferdi FischerAntwort
WarpSpeed® ist alles, was fliegt, insbesondere FPV-Drohnen, an denen WarpCam® fest montiert ist. Wir können die Kamera overslung oder underslung montieren. Wir nutzen auch andere Drohnen.
Dazu gehören auch echte Helikopter. Wir haben WarpCam® bereits fest an echten Helikoptern montiert, zum Beispiel um jemanden auf den Kufen zu filmen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Ist jeder WarpCam® Shot von einem fahrenden Fahrzeug ein WarpDrive® Shot?
Ferdi FischerAntwort
Nein. Sehr oft ist es flexibler, den Physical Operator auf das Motorrad, auf das Quad oder ins Auto zu setzen und ihn die Kamera aus einem Fenster oder einer Seitentür bewegen zu lassen. Damit erreichen wir noch mehr Flexibilität.
Das würde ich WarpCam® nennen, weil der Physical Operator die Kamera hält und bewegt. WarpDrive® bezeichnet den fest montierten Aufbau.
Ein Ökosystem, verschiedene Kameraträger
| Name | Was die Kamera trägt | Der Unterschied beim Operating |
|---|---|---|
| WarpCam® als Stick- / Handheld-Konfiguration | Physical Operator; am Stick oder aus der Hand | Die Person bewegt die Kamera durch die Szene; ferngesteuerter Bildausschnitt und Schärfe bleiben aufeinander abgestimmt. |
| WarpDrive® | Feste Montage an einem Bodenfahrzeug oder Kamera-RC | Die Kamerabasis ist fest mit dem Träger verbunden; der stabilisierte Kopf lässt sich weiterhin fernsteuern. |
| WarpSpeed® | FPV, andere Drohnen oder bemannter Helikopter | Eine fest montierte Flugkonfiguration, ausgewählt nach Bildanforderung und Flugaufgabe. |
| Hyper-WarpCam® | Highspeed-Kamerakonfiguration | Das Operating am Stick wird auf Highspeed-Aufnahmen übertragen; es ist ein eigenständiges Rig neben WarpCam® 8K. |
Die passende Plattform für den Shot wählen
STUNT.BLOG / FRAGE
Woran entscheidest du, welche WarpCam® Plattform ein Shot braucht?
Ferdi FischerAntwort
Ich fange damit an, was zur Story, zur Bildgestaltung und zum Vibe und Flow des gesamten Films oder Projekts passt. Was wollen wir erreichen? Was wollen wir erzählen, wie wollen wir es erzählen, und welche Zuschauer wollen wir abholen?
Dann geht es darum, wo die Kamera hinkommen muss. Wie eng ist der Raum? Wie schnell müssen wir sein? Wie hoch müssen wir kommen? Daraus ergibt sich die Plattform. Manchmal überlappen sich die Plattformen, und manchmal setzen wir sie parallel ein.
STUNT.BLOG / FRAGE
Kannst du an Beispielen erklären, wie sich diese Wahl von Produktion zu Produktion verändert?
Ferdi FischerAntwort
Bei The Gray Man haben wir entschieden, in der Straßenbahn fast alles handheld zu machen, weil wir diese Flexibilität wollten.
Fast X ist wahrscheinlich das einfachste Beispiel für das andere Ende, weil wir dort praktisch das gesamte Arsenal im Einsatz hatten. Wir kamen immer wieder zu denselben Entscheidungen zurück: Was wollen wir erzählen, wie wollen wir es erzählen, und wo müssen wir mit der Kamera hinkommen?
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie beeinflusst die verbleibende Zeit am Set deine Plattformwahl?
Ferdi FischerAntwort
Das kann ein sehr wichtiger Teil der Entscheidung sein. Jemand sagt: ‚Wir haben noch eine halbe Stunde für diese zwei Shots.‘ Wie bekommen wir beide in dieser halben Stunde in den Kasten?
Dann wählen wir die Plattform, mit der wir das in dieser Zeit schaffen. Weil wir all diese Plattformen haben und diese Flexibilität ans Set mitbringen, haben wir auch die Freiheit, diese Entscheidung zu treffen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Gibt es Situationen, in denen du die konventionelle Kamera der Produktion empfiehlst?
Ferdi FischerAntwort
Ganz selten sage ich, dass in dieser konkreten Situation keine der WarpCam® Plattformen einen Mehrwert bietet und die Produktion das einfach konventionell mit ihrer eigenen Kamera drehen kann. Das passiert sehr selten, ist aber eine Möglichkeit.
Auch so etwas wie ein komplett freier Raum, in dem niemand im Bild sein darf, kann Teil der Entscheidung werden. Es hängt von der konkreten Situation ab.
Vom Shot, der nicht funktioniert, zu einer anderen Art des Operatings
STUNT.BLOG / FRAGE
Welche Erfahrungen haben bei dir den Wunsch ausgelöst, WarpCam® zu entwickeln?
Ferdi FischerAntwort
Tausende Situationen. Ich kam aus der Perspektive als Performer, Schauspieler, Stuntkoordinator und Action Director dazu. Ich habe immer wieder gesehen, dass eine Produktion bestimmte Shots wegen des Timings oder technischer Einschränkungen nicht hinbekam.
Das konnte das Timing bei einer Schlägerei sein. Oder ein enger Raum, in dem die Kamera nicht an die Position kam, aus der die Action am besten aussah. Oder ein Operator, der die Choreografie nicht verstand und an der falschen Stelle filmte: Er reagierte erst, nachdem etwas passiert war, anstatt sich vorausschauend dorthin zu bewegen, wo gleich etwas passieren würde.
Dann kamen Fragen der Kameraqualität, der benötigten Framerate und der Montagebeschränkungen dazu: dass man eine Kamera schlicht nicht dort an einem Fahrzeug anbringen konnte, wo man sie brauchte. Es war die Kombination all dieser Erfahrungen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie sahen die frühen Prototypen aus?
Ferdi FischerAntwort
Wir haben mit Drohnentechnik angefangen, den Gimbal aus einer Drohne genommen und den Kameraaufbau von dort aus weiterentwickelt. Wir haben unter anderem mit Kameras wie der Sony NEX-7 experimentiert, sie an Stangen montiert und unterschiedliche Konfigurationen ausprobiert. Es gibt Fotos dieser frühen Kameras, wie sie an einem Auto montiert sind.
Den typischen Doppelgriff haben wir sehr schnell verworfen. Wir kamen immer wieder zur Stange zurück, vor allem zu einer Teleskopstange, deren Länge sich innerhalb von Sekunden verändern lässt. Für mich wurde das ein absolut zentraler Bestandteil des Systems.
STUNT.BLOG / FRAGE
Welche Entwicklungsentscheidung hat die größten neuen Möglichkeiten eröffnet?
Ferdi FischerAntwort
Das System so neu aufzubauen, dass wir Objektive wechseln und unterschiedliche Brennweiten einsetzen konnten. Mit den frühen Gimbals waren wir praktisch auf ein oder zwei Objektive beschränkt, mit denen wir die nötige Balance und Stabilität erreichten. Als wir uns entschieden haben, das System für wechselbare Objektive neu zu entwickeln, ging eine riesige neue Welt auf.
Wir hatten mehr Kontrolle über die Schärfentiefe und konnten cineastischere Bilder gestalten. Wir waren nicht mehr daran gebunden, mit einem Weitwinkel ganz nah am Motiv zu sein. Wir konnten längere Brennweiten einsetzen, weiter weg arbeiten und die Distanz wählen, die zum Bild passte. Dadurch hatten wir ein viel größeres Spektrum.
Objektive, Filter und das offene Rig
STUNT.BLOG / FRAGE
Welche Möglichkeiten bietet WarpCam® 8K einem DoP bei Objektiven und Filtern?
Ferdi FischerAntwort
Wir haben mittlerweile ein sehr umfangreiches Arsenal an Objektiven. Über unsere unterschiedlichen Aufbauten hinweg können wir im Prinzip jedes Objektiv nutzen.
Meiner Meinung nach deckt WarpCam® 8K selbst ungefähr 90 bis 95 Prozent der Objektiv- und Filtermöglichkeiten ab, die man heute braucht, um Filme zu gestalten.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie gehst du mit kleinen Unterschieden im Farbcharakter von Objektiven um?
Ferdi FischerAntwort
Kleine Unterschiede darin, wie bestimmte Objektive Farben wiedergeben, lassen sich praktisch immer in der Postproduktion anpassen. Ich rede nicht davon, dass ein Objektiv besser oder schlechter wäre. Es kann zum Beispiel einfach eine etwas andere Wärme sein.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was ist, wenn eine Produktion einen bestimmten Kamera-, Objektiv- oder Filteraufbau möchte?
Ferdi FischerAntwort
Wenn jemand sehr großen Wert auf bestimmte Objektive oder einen speziellen Aufbau legt, schlage ich vor, auf Hyper-WarpCam® mit der Freefly Ember oder auf eine ähnliche Kamera in unserem offenen Gimbal umzusteigen.
In diesen modifizierten offenen Aufbau können wir jede Kamera setzen und die entsprechenden Objektive und Filter nutzen: eine ALEXA Mini, eine Sony VENICE, die Freefly Ember, welche Kamera eben gebraucht wird. Wir sind extrem lösungsorientiert, und damit können wir auf diese Anforderungen antworten.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was verändert sich bei diesem größeren, offenen Aufbau?
Ferdi FischerAntwort
Das Rig wird etwas schwerer. Wir haben weiterhin die WarpCam® Flexibilität, aber nicht mehr die volle Flexibilität von WarpCam® 8K. Ich würde sie bei ungefähr 80 Prozent einordnen. Außerdem dauert der Auf- und Abbau etwas länger.
Das besprechen wir mit Kameraabteilung, Regie und Produktion. Sie können dann entscheiden, welche Lösung sie möchten. Wir können die Kamera, Objektive und Filter unterbringen, mit diesen kleineren Einschränkungen bei der Agilität. Das ist kein Problem, sondern eine Entscheidung, die wir vorher gemeinsam treffen können.
Eine Kamera, drei Menschen, die die Action lesen
Den Weg der Kamera, die Bildgestaltung und den Schärfepunkt können unterschiedliche Menschen übernehmen, die als ein Team arbeiten.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was ermöglicht der Stick, das mit dem Doppelgriff nicht möglich war?
Ferdi FischerAntwort
Die entscheidende Veränderung ist, dass sich der Operator nicht mehr von dem Monitor an der Kamera abhängig macht. Stattdessen arbeitet er mit dem Verständnis dafür, wo sich die Kamera im Raum befindet.
Sobald du die Kamera frei bewegen kannst, ohne auf diesen Monitor zu schauen, kannst du sie weiter von deinem Körper entfernen: nach rechts, links, oben oder unten. Du musst die Linse, den Winkel und die Position verstehen, die du erreichen willst. Der Physical Operator bringt die Kamera in diesen Bereich. Das präzise Framing und die Bildkomposition übernimmt der Virtual Operator: zum Beispiel, wo die Figur im Bild sitzt, anstatt sie einfach nur in der Mitte zu halten.
Wenn dieses Zusammenspiel richtig funktioniert, gibt es aus meiner Sicht keine bessere Art zu operaten als an einer Stange. Je besser der Physical Operator dieses räumliche Verständnis entwickelt, desto weiter kann er die Stange verlängern und trotzdem die Position der Kamera kontrollieren.
STUNT.BLOG / FRAGE
Woran erkennst du dieses räumliche Verständnis bei einem Operator?
Ferdi FischerAntwort
Du erkennst es daran, dass das Bild stimmt. Nehmen wir eine Over-the-Shoulder-Komposition. Die Kamera muss an einer bestimmten Position sein, damit der Hinterkopf der einen Person auf einer Seite sitzt und die andere Person dahinter richtig im Bild steht.
Ein traditioneller Camera Operator muss eine Linie zwischen sich selbst, der Kamera und dem Motiv halten. Stell den Operator zur Seite und lass ihn diese gleiche Anordnung herstellen, ohne direkt hinter der Kamera zu stehen. Dann siehst du sehr schnell, ob er die Kamera mit seinem Wissen über Linse, Distanzen und räumliche Nähe im dreidimensionalen Raum platzieren kann, ohne auf einen Monitor zu schauen.
Der Physical Operator hat keinen Kameramonitor und keine Knöpfe und bedient auch nicht den Gimbal. Er bewegt die Kamera durch die Welt. Der Virtual Operator bewegt den Gimbal. Genau diese Trennung verstehen viele erst, wenn sie sie demonstriert bekommen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie machst du diese Trennung jemandem klar, der sie zum ersten Mal sieht?
Ferdi FischerAntwort
Das ist schwer in einem Satz zu erklären, aber ganz einfach und schnell zu demonstrieren. Bei Bad Boys haben wir es zum Beispiel Jerry Bruckheimer gezeigt. Auch er hatte es durch die Erklärung nicht wirklich verstanden. Wir haben es kurz demonstriert, und er stand mit offenem Mund und großen Augen da. Dann hatte er es verstanden, aber so hatte er es nicht erwartet.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was passiert, wenn sich die Action in eine unerwartete Richtung bewegt?
Ferdi FischerAntwort
Zuerst einmal sind wir zu dritt, weil der Focus Puller auch dazugehört. Entscheidungen können von jedem von uns kommen. Wir stehen ständig in Sprachkontakt.
Der Physical Operator sieht auch Dinge außerhalb des Kamerabildes. Wenn etwas außerhalb dessen passiert, was der Virtual Operator auf seinem Monitor sehen kann, kann der Physical Operator sich bewegen, um es einzufangen, und ihm gleichzeitig sagen, was kommt. Der Virtual Operator weiß dann, wohin er schauen muss, während sich die Kamera bewegt. Beide reagieren auf dieselbe neue Information.
Im entscheidenden Moment muss das wie eine Kettenreaktion funktionieren. Da ist keine Zeit, jede Anpassung zu besprechen. In dem Team, das ich hier beschreibe, sind alle drei erfahrene Stuntperformer und gleichzeitig Spezialisten in ihrer Kamerafunktion. Sie verstehen Bewegung, weil sie selbst schon in diesen Situationen waren. Sie können antizipieren, wohin sich der Performer wahrscheinlich bewegen wird, und dann darauf reagieren, was tatsächlich passiert. Die Schärfe folgt der echten Action, nicht einfach einer auswendig gelernten Choreografie oder einer Reihe eingeprägter Punkte.
Ein Bild, drei verbundene Aufgaben
Der Physical Operator bewegt die Kamera, der Virtual Operator gestaltet den Bildausschnitt und der Focus Puller hält die Schärfe. Alle stehen im ständigen Sprechkontakt.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie überträgt sich diese Arbeitsweise auf eine ruhige Dialogszene?
Ferdi FischerAntwort
Wir gehen genauso daran wie an eine Actionszene, nur ist es viel einfacher. Wenn du Action gut inszenieren und ihre Geschichte klar erzählen kannst, kannst du auch eine normale Spielszene inszenieren.
Wir können WarpCam® auf ein Stativ, einen Dolly oder einen Kran setzen, wenn die Szene das verlangt. Wenn ich operate, ist mir wichtig, was wir Biological Breathing nennen. Da ist ein bisschen Bewegung, so wie wenn ein Mensch in diesem Raum steht, zuhört und zuschaut. Aber es ist nicht dieses störende Wackeln, das dich genau dann etwas nicht erkennen lässt, wenn du es sehen willst.
Die Absicht ist, dem Zuschauer das Gefühl zu geben, selbst dabei zu sein. Das Bild ist weder komplett statisch noch wackelt es herum. Es bewegt sich ruhig und natürlich. Du merkst, dass es funktioniert, wenn du es nicht bemerkst. Es fühlt sich richtig an, ohne auf sich selbst aufmerksam zu machen. Wir demonstrieren diese Qualität oft, weil man sie im Bild leichter spürt, als sie in einem Satz zu definieren.
Die Kamera folgt der Action
STUNT.BLOG / FRAGE
Wenn die Kamera innerhalb einer Actionszene in Echtzeit zwischen verschiedenen Menschen, Distanzen und Räumen wechselt: Wie entscheidest du, was der Zuschauer in welchem Moment sehen muss, und wie lenkst du seine Aufmerksamkeit dorthin?
Ferdi FischerAntwort
Als Allererstes musst du den Zuschauer immer dort abholen, wo er gerade ist. Du musst den gesamten finalen Schnitt im Kopf haben, damit du nicht rechts unten aufhörst und dann links oben anfängst. Diese Bilder müssen zusammenpassen.
Bei WarpCam® haben wir dafür ein paar Verhaltensregeln, wie wir das handhaben. Die kann ich nicht öffentlich machen, weil das Betriebsgeheimnisse sind. Wir haben dafür ziemlich smarte Lösungen gefunden.
STUNT.BLOG / FRAGE
WarpCam® kann mehrere unterschiedliche Bildaufgaben in einer Kamerabewegung verbinden. Wie entscheidest du, welche Aktionen du durchgehend erzählst und wo ein Schnitt die Szene stärker macht?
Ferdi FischerAntwort
Die Antwort ist ganz einfach: Solange es dem Narrativ dient, ist eine durchgehende Kamerabewegung besser, solange nichts darunter leidet. Du willst den Zuschauer abholen und ihn durch diese kontinuierliche Bewegung bei dir behalten.
Aber das ändert sich in dem Moment, in dem die Geschwindigkeit leidet, die Qualität der Action leidet, die Choreografie leidet oder vorhersehbar wird, was gleich passiert.
Das sehe ich sehr oft, auch in großen Hollywood-Filmen. Ganz viele Camera Operator und DoPs machen diesen Fehler: Sie haben einen bestimmten Shot im Kopf, weil sie sich abheben, der Szene ihren Stempel aufdrücken, ihre Einzigartigkeit beweisen oder ihren Stil durchsetzen wollen. In der Planung klingt das alles gut. Aber während sie drehen, merken sie oft nicht, dass die ganze Szene, das Spiel, die Choreografie und die Action darunter leiden.
Dann passiert genau das Gegenteil von dem, was sie erreichen wollten. Es wird langweiliger. Und vor allem, das ist das Allerschlimmste: Es wird vorhersehbar.
Das kennt jeder Zuschauer: Die Kamera bewegt sich in einen bestimmten Winkel und lässt eine Seite des Bildes offen, weil dort gleich etwas passieren soll. Wenn das Timing ein bisschen danebenliegt oder es zu lange dauert, entstehen diese Pausen. Der Zuschauer weiß: Okay, da drüben passiert gleich etwas. Darunter leidet die gesamte Szene, einschließlich Narrativ und Action.
Ein anderes Beispiel ist eine sehr komplexe Choreografie. Wenn den Performern, egal ob Stuntperformer oder Schauspieler, gegen Mitte oder Ende einer extrem langen Einstellung die Energie ausgegangen ist, hilft das der Szene auch nicht. Dann machst du lieber kompaktere, kürzere Actionblöcke als eine langatmige, langweilige Szene.
Die geplanten Kamerabewegungen sind eine gute Baseline. Aber wenn du vor Ort merkst, dass der Plan nicht funktioniert, brauchst du andere Optionen.
Einer der größten Fehler ist zu sagen: Wir fangen die Realität ein, es muss so realistisch wie möglich sein. Und dann macht man lange, langweilige Einstellungen.
Das Problem ist: Realität, die eine Kamera einfängt, wirkt nie so spektakulär, wie wenn du wirklich dort stehst. Diesen Unterschied musst du verstehen und dafür inszenieren. Du musst die Illusion aufrechterhalten, dass der Zuschauer mittendrin steckt. Manchmal erreichst du das nur mit gezielten Schnitten, bestimmten Close-ups und den anderen Entscheidungen, die den Zuschauer genau dorthin bringen, wo du ihn haben willst.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was verändert sich für Schauspieler und Stuntperformer, wenn die Kamera so unmittelbar Teil ihrer Szene wird, und wie entwickelt ihr dieses Zusammenspiel in der Probe?
Ferdi FischerAntwort
Da lehne ich mich jetzt weit aus dem Fenster, aber ich bin überzeugt, dass es so ist, und ich möchte, dass das klar dasteht: WarpCam® ist die erste Kamera an einem professionellen, großen Hollywood-Filmset, die sich fast jeder Situation anpassen kann. Ich spreche vom Drehen für das Kino, für die große Leinwand, nicht von YouTube oder Fernsehproduktionen.
Seit über hundert Jahren mussten Szenen für die Kamera inszeniert werden. Mit WarpCam® haben wir jetzt zum ersten Mal in der Geschichte der Kameras und des Filmemachens die Möglichkeit, eine Actionszene so zu planen, wie die Action selbst am besten funktioniert, und sie dann einzufangen.
Die Kamera ist so flexibel, dass sich nicht mehr alle für sie in Position bringen müssen. Wir können uns so schnell bewegen, so extreme Positionen erreichen und uns so unmittelbar anpassen, dass die Kamera der Choreografie, dem Narrativ und den Schauspielern folgen kann.
Natürlich kannst du weiterhin etwas gezielt für die Kamera inszenieren, wenn dadurch eine bessere Szene entsteht. Aber gerade bei Action musst du die Action nicht mehr reduzieren, damit die Kamera mitkommt. Bei älteren Kameras und besonders bei Steadicam war das Entschleunigen der Action, damit die Kamera mithalten kann, ein großes Thema.
Rennen ist das einfachste Beispiel. Selbst mit Steadicam, Gimbals und anderen Systemen mussten die Schauspieler ihre Geschwindigkeit daran anpassen, wie schnell sich die Kamera bewegen konnte. Ein Handkamera-Operator konnte nie so schnell rennen wie die Schauspieler oder Stuntperformer. Also hast du die Kamera auf ein Fahrzeug gesetzt, um diese Geschwindigkeit zu erreichen. Dann konntest du aber teilweise nur geradeaus fahren oder auf Flächen und in Räumen arbeiten, in denen das Fahrzeug genügend Platz hatte.
Bei 21 Bridges haben wir in Philadelphia eine Verfolgung auf einer Feuernotleiter gedreht, mit Leading- und Follow-Shots. Wir sind diese Treppen genauso schnell hoch und runter gerannt wie die Stuntperformer und Schauspieler, auch mit der Kamera vor ihnen her.
Wir sind auch mit Chadwick Boseman mit Vollspeed durch die Subway gesprintet. Sie stellte die New Yorker Subway dar, gedreht haben wir aber in Philadelphia. Für Brian Kirk, den Regisseur, haben wir diese Verfolgungsaufnahmen mit den Schauspielern bei voller Geschwindigkeit gemacht. Wir konnten dem Schauspieler mit der Kamera sogar davonrennen und dabei weiter um die Kurven gehen.
Es gibt auch Rennaufnahmen mit Chadwick durch enge Seitengassen und zwischen Autos hindurch.
Ein anderes Beispiel ist, Chadwick Bosemans Double mit der Kamera zu folgen, während es unter einem Regal durchrutscht, und die Kamera mit darunterzunehmen. Wir haben von hinten gedreht, damit der Zuschauer den Austausch nicht erkennt. Es gibt Making-of-Material, das zeigt, wie wir die Bewegung vor dem Dreh in einem Hotelzimmer proben, zusammen mit der daraus entstandenen Szene.
Der separate Subway- / Operator-Vergleich zeigt ein weiteres Beispiel aus 21 Bridges mit eingeblendeten Aufnahmen des Operators. Er ist unabhängig von den hier ausgewählten Archivvergleichen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was steht an erster Stelle, wenn ihr einen Take vorbereitet und probt?
Ferdi FischerAntwort
Die Performance steht an erster Stelle. Wir legen enorm viel Wert darauf, dass die Choreografie und die Abläufe der Schauspieler und Stuntperformer stimmen. Dann passen wir die Kamera praktisch zu hundert Prozent daran an.
Weil wir durch unsere Flexibilität die Kamera trotzdem dorthin bewegen können, wo sie hinmuss, wird der ganze Ablauf für die Performer und die Produktion viel einfacher: weniger Umbau, weniger Lichtumbau, weniger Proben, weniger Umstellen und weniger Überraschungen.
Natürlich proben wir. Aber wir müssen sehr selten etwas speziell für die Kamera proben. Wir proben, damit die Schauspieler und Stuntperformer ihre Choreografie oder ihre Performance zum Funktionieren bringen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Müssen die Performer für WarpCam® präzise Bodenmarkierungen treffen?
Ferdi FischerAntwort
Einer der wichtigsten Punkte bei WarpCam® und Hyper-WarpCam® ist, dass wir so gut wie nie mit hundertprozentig festen Bodenmarkierungen arbeiten. Die Leute müssen wissen, wo sie hinwollen, aber sie müssen ihre Positionen nicht zentimetergenau treffen.
Genau da wird das Verständnis der Operatoren für Bewegung, Bewegungsdynamik, Situational Awareness und physische Action so wichtig. Stell dir zwei Schauspieler vor, die miteinander laufen, und wir müssen am Ende in einer Over-the-Shoulder-Einstellung landen. Wenn der Physical Operator sieht, dass einer der Schauspieler von seinem vorgesehenen Weg abkommt, kann er während der Bewegung die Kameraposition stufenlos anpassen, sodass wir trotzdem beim richtigen Bild ankommen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie weit kann der Operator eine veränderte Performance während eines Takes ausgleichen?
Ferdi FischerAntwort
Mit dem Teleskoparm können wir Höhe, Reichweite und Distanzen in Echtzeit anpassen. Dadurch haben wir viel mehr Flexibilität, einen Shot direkt in der Kamera zu korrigieren, als bei einer konventionellen Dollyfahrt, einem normalen Gimbal-Operator oder einer Steadicam.
Es gibt eine Grenze. Wenn ein Schauspieler oder Stuntperformer so weit von seiner Position entfernt ist, dass Hintergründe und Distanzen überhaupt nicht mehr stimmen, müssen wir den Take wiederholen. Aber solange die Performance in einem Bereich bleibt, den wir korrigieren können, können wir ihn in Echtzeit korrigieren.
Das hat uns schon so viele Takes und so viel Zeit erspart. Wir sind mit WarpCam® viel, viel produktiver als mit konventionellen Kameras.
STUNT.BLOG / FRAGE
Braucht WarpCam® eine andere Herangehensweise beim Licht?
Ferdi FischerAntwort
Du kannst das Licht genauso setzen wie für konventionelle Kameras. Daran musst du nichts ändern.
Wir leuchten aber oft einen größeren Bereich aus, gerade bei Actionsequenzen, in denen wir die Kamera in einer 180-Grad-Bewegung mitführen und dem Zuschauer die Orientierung erhalten wollen, statt ihn durch extreme Gegenwinkel zu verwirren. Wir können so leuchten, dass wir 180 oder 360 Grad in einer durchgehenden Bewegung drehen können, ohne für jede kleine Veränderung neu leuchten zu müssen.
Das kann ein Vorteil sein. Wenn es jemand als Nachteil sieht, ist es nicht verpflichtend. Es ist eine Option, die wir dem DoP, dem Oberbeleuchter, der Regie und der Produktion geben, damit sie entscheiden können, wie sie arbeiten wollen.
Eine Möglichkeit ist, am Anfang etwas mehr Arbeit in das Licht für die ganze Sequenz zu stecken, sodass wir danach nur kleine Anpassungen machen oder etwas Licht ergänzen. Dann können wir die Sequenz in einem Bruchteil der Zeit drehen, die eine konventionelle Kameraarbeit, ein Stuntteam und eine konventionelle Action-Regie dafür brauchen würden.
Wenn ich Action Director bin, versuche ich, für die größtmögliche Freiheit von WarpCam® zu leuchten. Dadurch können wir die Shots immersiver, realistischer und spektakulärer machen.
Die Figur durch Bewegung und Kamera formen
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie findest du heraus, wie du die körperliche Performance eines bestimmten Schauspielers filmst?
Ferdi FischerAntwort
Da werden das Bewegungsverständnis und die Bewegungsästhetik, die ich über meine ganze Karriere gesammelt habe, extrem wichtig. Ich schaue mir den Hauptdarsteller oder Actiondarsteller an und trainiere mit ihm. Ich bereite ihn auf die Choreografie vor. Manchmal habe ich schon Ideen, weil ich seine Arbeit aus anderen Filmen kenne oder ihn kennengelernt und gesehen habe, was er kann und wie er sich bewegt.
Dadurch kann ich die Qualitäten seiner Bewegung sehr präzise in die Kameraarbeit übertragen. Das hat viel mehr Nuancen, als ein einfaches Beispiel erklären kann. Aber wir können mit Kamera und Performance zusammen die Figur näher an das bringen, was im Drehbuch steht und was der Regisseur möchte.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was würdest du verändern, wenn ein Schauspieler mit dem Oberkörper stark ist, aber seine Beinarbeit weniger überzeugt?
Ferdi FischerAntwort
Nehmen wir ein ganz einfaches Beispiel. Ein Schauspieler bewegt den Oberkörper gut, kann boxen oder fighten und hat eine gute Haltung, aber sein Footwork hat nicht dieselbe Finesse. Die Bewegung des ganzen Körpers passt nicht ganz zu dem, was er mit dem Oberkörper kann.
Dann entscheiden wir uns vielleicht, mit WarpCam® etwas näher an ihm zu bleiben und eine etwas längere Brennweite zu verwenden. Für Ganzkörperbilder in extremen Fightsituationen, gerade bei Kicks oder Bewegungen, in denen er weniger gewandt ist, setzen wir ein Double ein oder arbeiten weiterhin näher am Schauspieler.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie würdest du jemanden filmen, dessen Stärke seine gesamte körperliche Präsenz ist?
Ferdi FischerAntwort
Wenn jemand als ganze Figur eine imposante Erscheinung ist, bleiben wir mit der Kamera etwas tiefer und zeigen mehr von seinem ganzen Körper. Das heißt nicht, dass wir die Nahaufnahmen verlieren. Mit WarpCam® können wir kurz weiter rausgehen und den Zuschauer mehr von dieser körperlichen Präsenz wahrnehmen lassen.
Wir unterstützen und verstärken die Talente und Bewegungen, die schon da sind. Wir können aber auch Bewegungen weniger hervorheben, die nicht ganz so gut zur Figur passen. Diese Flexibilität hilft uns, Performance und Bild in Richtung des Gesamtcharakters des Films zu führen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Kannst du die Wirkung einer Performance noch verändern, während der Take schon läuft?
Ferdi FischerAntwort
Ja, in Echtzeit. Das hat sich bei Produktionen immer wieder als unbezahlbar erwiesen. Wenn ich der Physical Operator bin und merke, dass ein Schauspieler oder Stuntperformer zu schnell oder zu langsam ist oder sich nicht so geschickt bewegt, wie das Bild es braucht, kann ich während der Bewegung selbst darauf reagieren, zusammen mit meinem Virtual Operator.
Ich kann in eine Untersicht gehen, damit die Action größer wirkt, oder aus einer höheren Perspektive nach unten schauen, damit sie kleiner wirkt. Das sind kleine Kameraentscheidungen, die wir sofort anwenden können, um die Stimmung oder Wirkung zu erzeugen, die der Figur dient.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie kann die Kamerahöhe die wahrgenommene Geschwindigkeit eines rennenden Menschen verändern?
Ferdi FischerAntwort
Stell dir vor, du rennst neben jemandem auf Augenhöhe, mit einem 35-mm-Objektiv an einem Full-Frame-Sensor. Die Bewegung sieht langsamer aus. Gehst du auf Hüfthöhe, sieht sie schon etwas schneller aus.
Dann kann ich innerhalb desselben Shots von Augenhöhe über die Hüfte kurz so tief gehen, dass der Asphalt unten durchs Bild rast. Du siehst die Struktur des Asphalts in der Bewegungsunschärfe vorbeiziehen, und es kann aussehen, als hätten wir die doppelte Geschwindigkeit.
Das sind kleine Kameratricks, die wir in Echtzeit nutzen können, damit die Figur und die Action so wirken, wie wir es wollen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie hältst du den Zuschauer orientiert, wenn ein Film plötzlich in eine viel intensivere Actionsequenz wechselt?
Ferdi FischerAntwort
Wenn ein Film nicht besonders actionlastig ist, aber eine heftige Actionsequenz hat, ist der Zuschauer nicht unbedingt daran gewöhnt, sich durch fünfzig Schnitte hochkonzentriert extreme Action anzuschauen.
Wir können ihn hineinholen, indem wir die Übergänge mit WarpCam® physisch machen. Wir bewegen uns um die Figuren herum, damit der Zuschauer seine Orientierung nicht verliert. Wenn wir schneiden, enden wir auf der entscheidenden Information: einem Block, einem Schlag oder einem Detail, zum Beispiel, wie jemand eine Waffe entsichert.
STUNT.BLOG / FRAGE
Worauf achtest du, wenn du den Blick des Zuschauers über einen Schnitt hinweg mitnehmen willst?
Ferdi FischerAntwort
Wir nehmen die wichtige Information im nächsten Shot dort auf, wo der Zuschauer schon hingeschaut hat. Als einfaches Beispiel: Stell dir eine Waffe vor, die schräg im Bild liegt, mit der Sicherung unten rechts im Drittel. Wir wissen, dass die meisten Zuschauer gerade mit ihren Augen dort sind.
Wenn der nächste Shot den Gegner zeigt, der reagiert und seine eigene Waffe entsichert, können wir auch dieses wichtige Detail unten rechts aufnehmen, mit der Waffe in die andere Richtung, damit wir verstehen, dass sie zur gegnerischen Figur gehört. Der Zuschauer muss die neue Information nicht erst suchen.
Wir können auch durch eine WarpCam®-Bewegung unten rechts im Bild ankommen, den Übergang machen, dort wieder aufnehmen und die Kamera dann nach oben bewegen. Gerade auf einer großen Kinoleinwand können wir die Augen mit der Action über die Leinwand führen, statt Augen und Gehirn des Zuschauers von rechts unten nach links oben und dann wieder woanders hinspringen zu lassen.
An den Kamerastil des Films anschließen
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie schnell kannst du WarpCam® an eine Produktion anpassen, die schon einen festgelegten Kamerastil hat?
Ferdi FischerAntwort
Extrem schnell. Wenn ich mit WarpCam® und meiner Floating Action Unit dazukomme, kann ich den Workflow und Kamerastil sofort erkennen und mich daran anpassen.
Wenn der DoP alles sehr ruhig mit Dollyfahrten dreht, müssen die WarpCam®-Shots zu diesem Tempo passen. Das ist nicht schwierig. Ich erkenne es, sobald ich am Set bin.
Durch die Flexibilität können wir uns nahtlos durch die ganze Bandbreite bewegen. Wir können einen traditionellen Actionstil der Achtzigerjahre unterstützen oder etwas so Zeitgemäßes wie den Stil von John Wick oder Extraction 2. Zwischen diesen Ansätzen können wir uns stufenlos anpassen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was verändert sich, wenn die meisten bewegten Einstellungen der Produktion mit einer Steadicam gedreht wurden?
Ferdi FischerAntwort
Bei diesem Steadicam-Stil haben wir Bewegung und mehr Freiheit als auf dem Dolly, aber trotzdem ein extrem ruhiges Bild, bei dem viel auf einer Ebene bleibt. Eine Steadicam bewegt sich nicht von ganz oben bis ganz unten, so wie ich es mit WarpCam® beschreibe. Wir können in einer Bewegung alles abdecken, von den Fußspitzen einer Person bis zum Top Shot auf ihren Kopf.
Wenn aber die meisten bewegten Einstellungen des Films mit einer Steadicam gedreht wurden, weiß ich, dass wir nicht plötzlich extreme Höhenwechsel machen sollten. Das würde aus dem Gesamtgefühl des Projekts herausstechen.
Dann machen wir vielleicht 180-Grad-Bewegungen und bewegte Einstellungen, die mehr oder weniger auf derselben Höhe bleiben, oder wir bewegen uns langsam auf eine andere Ebene, damit sie sich nicht zu stark von den umgebenden Bildern unterscheiden. Das Krasse an WarpCam® ist, dass wir uns an all diese Stile in Echtzeit anpassen können. Wir können die Action immer intensiver machen, und wir können sie auch weniger intensiv machen.
Das Kameraalphabet und die vollständige Szene
STUNT.BLOG / FRAGE
Was bedeutet es für dich, WarpCam® als A-Kamera einzusetzen?
Ferdi FischerAntwort
In den Momenten, in denen andere Kameras die Aufgabe nicht erfüllen können, wird sie sowieso zur A-Kamera. Wenn die anderen Kameras gehen und wir reingehen, um eine Verfolgung mit Chadwick Boseman zu drehen, weil WarpCam® die Kamera ist, die dort arbeiten kann, dann übernimmt sie diese Aufgabe. Die Bilder landen dann im Trailer und im Film.
Aber A-Kamera, B-Kamera oder C-Kamera als Hierarchie interessieren mich nicht besonders. Bei First Unit und Second Unit geht es mir genauso. Ich bevorzuge Bezeichnungen wie Action Unit oder Drama Unit. Bei Filmen wie Fast & Furious und The Gray Man konnte die sogenannte Second Unit wegen der Action und des dafür benötigten Teams deutlich größer sein.
Ich frage immer, ob wir die W-Kamera sein können, wegen Warp. Mir ist egal, an welcher Stelle im Alphabet wir stehen. Ich weiß, dass die Kamera sofort zur A-Kamera hochgestuft wird, wenn die Leute sehen, was wir damit drehen können.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie hat das bei Cyber Game funktioniert?
Ferdi FischerAntwort
Cyber Game ist Josh Grothes Kurzfilm. Im Prinzip ist es eine Liebesgeschichte, aber eine schräge Beat-’em-up-Liebesgeschichte mit viel Action, KI-Overlays und extremen Kamerawinkeln.
Josh war der Regisseur. Ich war Action Director und DoP und habe auch das Licht gemacht. Der Look ist stark gegenlichtig und hazy, mit sehr ausgeprägtem Licht. Ich habe WarpCam® als A-Kamera für diese Main-Action-Unit eingesetzt.
WarpCam® hat alles gedreht bis auf ein paar Spielszenen einer separaten Second Unit, die jemand anderes an einer anderen Location gedreht hat. Die waren von der Actionarbeit getrennt. Josh hat Regie geführt, und ich habe für unsere Unit die Action-Regie, Kamera und das Licht übernommen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was verstehen die Leute an dieser Bandbreite immer noch falsch?
Ferdi FischerAntwort
Sie sehen eine kleine, scheinbar einfache Kamera und nehmen an, dass die Bildqualität nicht da sein kann. Dabei übertrifft WarpCam® mittlerweile die Bildqualität von 80 % der Kameras an Spielfilmsets bei Weitem. Das ist das erste Missverständnis.
Sie nehmen außerdem an, dass man sie nur für bestimmte Actionshots einsetzen kann. Sie ist für Action optimiert, aber wir können diesen Aufbau innerhalb von Sekunden ändern. Wir können sie auf ein Stativ, einen Dolly oder einen Kran setzen oder langsame, detaillierte Close-ups machen und mit Tiefenunschärfe arbeiten.
Beim Team gibt es ein ähnliches Missverständnis: dass kreative Action-Regisseure und Action-Operatoren nicht genauso kreativ etwas Langsames oder dramaturgisch Wichtiges inszenieren können. Die Leute stecken dich in eine Schublade. Sie unterschätzen, wie fähig Action-Regisseure, Action-DoPs und Stuntperformer im Kameradepartment sein können.
Der Vergleich mit 80 % der Bildqualität ist Fischers fachliche Einschätzung aus der Produktionspraxis. Die Aufnahmespezifikationen der einzelnen Kameragenerationen stehen in der Übersicht zu Auflösungen und Bildraten.
The Gray Man: die Kamera mitten in der Action
STUNT.BLOG / FRAGE
Was hat WarpCam® euch in und um die fahrende Tram ermöglicht?
Ferdi FischerAntwort
Wir sind durch enge Öffnungen in zerbrochenen Fenstern, unter die Sitze und raus in Richtung Straße gegangen. Wir haben uns mit den Performern bewegt, wenn sie aus der Tram kamen. Wir sind in ihrem Tempo durch die fahrende Tram gerannt, mit ihnen gefallen und mit der Kamera hoch an die Decke und wieder runter unter die Sitze gegangen.
Wir konnten draußen anfangen, durch ein Fenster gehen und innen weiterdrehen. Wir sind mit dem Hauptdarsteller über das Dach in eine Explosion gerannt. Wir sind von der Tram auf ein anderes Fahrzeug gesprungen, haben in anderen Fahrzeugen gearbeitet und POV- sowie Over-the-Shoulder-Shots gemacht. Wir konnten auf Reifenhöhe knapp über der Straße sein oder einen Übergang vom Audi in die Tram machen.
Mein Rat an einen Kameramann, der solche Bewegungen plant, ist, seine Kreativität zu öffnen. Lass die Grenzen der Systeme, mit denen du bisher gearbeitet hast, nicht zu den Grenzen dessen werden, was du dir jetzt vorstellst.
STUNT.BLOG / FRAGE
Woran erkennst du, dass jemand anfängt, diese Bandbreite zu verstehen?
Ferdi FischerAntwort
Du erkennst die früheren Einschränkungen in der Shotplanung. Der Shot oder die gesamte Shotliste ist an dem ausgerichtet, was jemand von früheren Kamerasystemen kennt. Wenn ich etwas anderes vorschlage, schauen sie mich ungläubig an, weil sie nicht denken, dass es möglich ist.
Verbal kannst du jemanden davon nicht wirklich überzeugen. Wenn die Kamera nicht da ist, zeige ich Material von ähnlichen Shots. Wenn wir sie dabeihaben, kann ich ihnen physisch ganz schnell zeigen, wie wir es machen würden.
Der Moment, in dem es sich ändert, ist, wenn sie anfangen zu sagen: Schlag du etwas vor. Sie geben mir die Freiheit, ihnen zu stärkeren Shots zu verhelfen. Dann weiß ich, dass sie anfangen zu verstehen, wie viel weiter diese Kamera gehen kann als die Systeme, mit denen sie vorher gearbeitet haben.
STUNT.BLOG / FRAGE
Deine Arbeit an dem Film hat sich auch zu einem Action-Regie-Auftrag entwickelt. Wie kam das?
Ferdi FischerAntwort
Wir brauchten mehr Material von den Spezialeinheits-Operatoren, wie sie vorrücken und sich mit der Gegenseite ein Feuergefecht liefern. Der Regisseur fragte, ob ich mit ihnen ein paar Szenen entwickeln könnte. Ich habe Previs gemacht: Wir haben Fahrzeuge aufgestellt, Bewegungen durch sie hindurch und um sie herum ausgearbeitet, die Ideen gefilmt und am Set zusammengeschnitten.
Die Russo Brothers haben dieses Material gesehen und wollten es sofort am nächsten Tag richtig drehen, mit mir als Action-Regisseur. Das Set wurde an der Original-Location neu aufgebaut. Ich hatte meine eigene Unit mit WarpCam® als A-Kamera und habe auch die Kameraarbeit übernommen. Die Previs-Shots hatte ich bereits entworfen und geschnitten; am Motiv habe ich diese gedreht und noch weitere Shots entwickelt. Jede Kamerabewegung und jede Perspektive in dieser Arbeit habe ich selbst gestaltet.
Es ist wichtig, die drei Phasen zu verstehen. Zuerst war die Action mit der Second Unit gedreht worden. WarpCam® war eine der Kameras, und ich habe mit meiner Floating Action Unit als Operator gearbeitet. In dieser Phase war ich weder Action Director noch DoP.
Später haben wir zusätzliches Greenscreen-Material mit den Schauspielern gedreht, unter anderem mit Ryan Gosling und Ana de Armas. Wir haben WarpCam® für bestimmte Inserts und Kamerapositionen eingesetzt, die mit den anderen Aufbauten nicht möglich waren. Dann kamen die Previs und die separate Unit, in der ich die Action und die Kameraarbeit inszeniert habe.
Ein Beispiel für diese Inserts war ein Push-in direkt auf eine Waffe zu. Ich konnte die Kamera an sie heranführen, während ich seitlich stand und die Stange hielt, statt direkt hinter der Kamera stehen zu müssen. Das haben wir wiederholt für Shots genutzt, in denen die Waffe auf die Kamera oder knapp an ihr vorbeischoss. Ein Teil dieser Arbeit wurde vor Greenscreen gedreht.
Im fertigen Film sind alle drei Phasen miteinander vermischt. Da ist viel Material von mir drin, aber ein Teil stammt aus meiner Action-Regie-Arbeit, ein Teil aus der Arbeit als zusätzliche Kamera und ein Teil vom Greenscreen. Du kannst nicht die gesamte Sequenz anschauen und alles nur einer dieser Rollen zuordnen.
Der separate Film Inside the Action und Joe Russos vollständiger Erfahrungsbericht samt Analyse zur Arbeit auf engem Raum liefern weiteren Produktionskontext zu dem damals PogoCam genannten System.
Fast X: eine größere Unit und kreativer Freiraum
STUNT.BLOG / FRAGE
Was hat sich zwischen deiner Floating Action Unit bei The Gray Man und der Unit bei Fast X verändert?
Ferdi FischerAntwort
Das war ein enormer Schritt. Bei The Gray Man waren wir zu dritt in der Floating Action Unit und haben bei der First und Second Unit fast ausschließlich handheld gearbeitet. Ich habe bei einigen Action-Aufnahmen auch die A-Kamera operated, aber die WarpCam®-Arbeit war hauptsächlich handheld.
Für Fast X haben wir auf fünf Leute aufgestockt und eine viel größere Bandbreite an Equipment und Kamerapositionen mitgebracht. Wir haben WarpCam® handheld eingesetzt, als Beifahrer auf einem Motorrad und von einem Quad aus für Leading und Follow Shots auf Treppen. Wir haben sie fest auf Motorrädern und außen wie innen an Fahrzeugen montiert. Wir hatten sie an der FPV-Drohne, auf dem RC-Kamerafahrzeug und teilweise auch fest auf einem Stativ.
Wir waren länger dabei, mit mehr Leuten, mehr Equipment und mehr Shots. Wir waren die gesamte Action-Sequenz über in unterschiedlichen Konfigurationen beteiligt. Johnny FPV wurde Teil dieser Arbeit, nachdem wir zusammen in Los Angeles trainiert hatten, WarpCam® als narratives Dual-Operator-System zu fliegen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie haben das Equipmentpaket und die tatsächlich drehende Crew zusammengearbeitet?
Ferdi FischerAntwort
Wir hatten die arbeitenden Systeme mit Linsen, Remotes und allem, was dazugehört, gespiegelt. So konnten wir Teile oder eine komplette Kamera sehr schnell austauschen und weiterdrehen. Das speziell gebaute RC-System war eine eigene Konfiguration, deren Komponenten wir ebenfalls durch Teile aus den anderen Systemen ersetzen konnten.
Das hieß nicht, dass alle Konfigurationen gleichzeitig gedreht haben. Wir waren zu fünft. Meistens haben wir uns auf die WarpCam®-Arbeit konzentriert, statt zu versuchen, alles parallel laufen zu lassen.
Manchmal habe ich den WarpCam®-Shot eingerichtet, gerade einen FPV-Shot, und danach selbst die Sony Venice 2 für eine anspruchsvolle A-Kamera-Action-Aufnahme operated. Meine Operator haben dann die WarpCam®-Arbeit übernommen. Das waren zwei unterschiedliche Teile meiner Arbeit: die Unit und ihre Shots zu leiten und selbst eine andere Kamera ganz nah an der Action zu operaten.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was ist aus diesem kreativen Freiraum entstanden, das vorher nicht vorgegeben war?
Ferdi FischerAntwort
Ein ganz markantes Beispiel ist der Shot mit einer Frau, die in einem Café direkt an der Straße eine Gruppe von Leuten fotografiert. Ein Lamborghini fährt vorbei, und dahinter explodiert das andere Fahrzeug und wird hoch in die Luft geschleudert. Diesen Shot habe ich mir ausgedacht: die Leute, ihre Positionen, die Kamerabewegung und die Zeitlupe.
Mit der Regie gab es zunächst etwas Knatsch, weil der Shot als zu kompliziert galt und es hieß, den würde ich nicht hinbekommen. Der DoP hat gesagt, ich soll ihn machen. Ich habe ihn gemacht, und jetzt ist er in jedem Trailer.
Grundsätzlich haben wir zuerst den speziellen Shot gemacht, den die Produktion haben wollte. Den hatten wir meistens nach ein oder zwei Takes. Danach hatten wir Freiraum, zusätzliches Material zu entwickeln. Bei den Besprechungen wurde ich oft gefragt, wo wir meiner Meinung nach mit der Kamera hingehen sollten. Ich habe die Unit geleitet, konnte diese Bilder also vorschlagen und dann ausarbeiten, wie wir sie drehen.
Das veröffentlichte WarpCam®-Reel zu Fast X gibt einen weiteren Einblick in die Bandbreite der Plattformen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was aus dem WarpCam®-Operating konntest du auf deine eigene A-Kamera-Arbeit bei der Action übertragen?
Ferdi FischerAntwort
Das räumliche Verständnis der Kamera. Anhand meiner Handstellung und der Linse weiß ich, wohin die Kamera zeigt, was sie sieht und wie ich sie bewegen muss. Ich kann framen, ohne auf einen Monitor schauen zu müssen.
Dadurch kann ich mich auf die Action und meinen eigenen Bewegungsweg konzentrieren und gleichzeitig das Framing anpassen. Wenn ein Fahrzeug höher fliegt als erwartet, kann ich reagieren und mitgehen. Wenn ich diese Kameras operate, bitte ich oft darum, den Monitor abzubauen.
Dabei hilft mir mein Stunt-Hintergrund, genauso wie meine Beteiligung an der Planung. Ich weiß, was passieren soll, und habe es mitentwickelt. Diese Erfahrung verändert, wie ich reagiere, wenn ich ganz nah an der Action bin.
Vom Kamerateam zur kompletten Action Unit
STUNT.BLOG / FRAGE
Was ist das kleinste WarpCam®-Team mit Equipment, das ihr anbietet?
Ferdi FischerAntwort
Das hängt davon ab, wie viel von der Arbeit wir übernehmen. Wenn eine Produktion nur WarpCam® braucht, ist das Minimum von unserer Seite für einen kleinen Low-Budget-Auftrag ein Zweierteam: Physical Operator und Virtual Operator.
Den Focus Puller stellt dann die Produktion. Entweder den Focus Puller, der sowieso an der Produktion arbeitet, oder jemanden aus ihrem verfügbaren Pool.
Dazu kommen das Equipment, die WarpCam®-Unit und das Redundanzsystem. Zwei Pelicases sind das minimale Setup.
STUNT.BLOG / FRAGE
Können eure Operator auch mit den anderen Kameras der Produktion arbeiten?
Ferdi FischerAntwort
Wir stellen auch Action-DoPs. Bei Fast X habe ich zum Beispiel oft die A-Kamera für die anspruchsvollsten Shots operated, mit der Sony Venice der Produktion statt mit WarpCam®.
Die Fähigkeiten eines WarpCam®-Operators lassen sich ganz einfach auf konventionelle Kamerasysteme übertragen. Wenn du einen richtig guten WarpCam®-Operator hast, ist jede andere Kamera für ihn ein Kinderspiel.
Das ist, als würdest du einen extrem professionellen Rallyefahrer in ein normales Auto setzen. Dieses normale Auto zu fahren ist für ihn einfacher, als Rallye zu fahren. Ungefähr so würde ich es erklären.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie lassen sich diese Action-Fähigkeiten auf Spiel- und Dialogszenen übertragen?
Ferdi FischerAntwort
Wir stellen inzwischen auch Drama Units. Die Action-Regisseure innerhalb des SlamArtist.com Universe können auch Spielszenen inszenieren und konventionelle Szenen einrichten.
Wenn du extrem professionelle, hochauflösende und hochwertige Action inszenieren kannst, sind Spiel- und konventionelle Szenen nicht schwieriger zu inszenieren. Du musst deine Prioritäten verlagern.
Kreative Action folgt demselben Prinzip wie eine Spiel- oder Dialogsequenz: Du hast ein Narrativ zu vermitteln. Moderne Action ist nicht einfach eine Totale, in der man Action sieht. Die Geschichte und das Narrativ laufen durch die Action weiter.
Du musst dieses Narrativ kreativ einfangen und gleichzeitig der Action gerecht werden. Wenn du all diese Fähigkeiten hast, kannst du das Narrativ in einer Spielszene, einer Dialogszene oder einer konventionellen Kameraauflösung sehr kreativ und durchdacht voranbringen.
Um eine hochwertige Action-Szene zu gestalten, musst du die üblichen Kamera-Setups beherrschen, die es beim Filmemachen ohnehin gibt.
STUNT.BLOG / FRAGE
Für wie viel einer Produktion kann das SlamArtist.com-Team die Verantwortung übernehmen?
Ferdi FischerAntwort
Der Umfang ist völlig fließend. Wir können die Stuntkoordination, Stuntperformer, Rigger, den Action Director, eine Second Unit, eine Floating Action Unit oder eine Action Unit stellen. Diese unterschiedlichen Funktionen gehören zum größeren SlamArtist.com Universe.
Theoretisch könnte das WarpCam®-Action-Team eine komplette bestehende Filmcrew ersetzen. Die Action-Crew könnte einschließlich Regisseur einen ganzen Film machen. Wir haben bereits komplette Kurzfilme gemacht, ganze Action Units übernommen und auch schon Drama-Unit-Arbeit gemacht.
SlamArtist.com und WarpCam® können zusammen eine komplette Filmcrew aufstellen. Die Lichtcrew und die anderen unterstützenden Funktionen kommen noch dazu. Wie die Arbeit tatsächlich aufgeteilt wird, hängt vom Auftrag ab.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie könnte ein Auftrag für eine komplette Action-Sequenz aussehen?
Ferdi FischerAntwort
Nehmen wir ein hypothetisches Beispiel: Eine Produktion hat einen extrem anspruchsvollen Kampf in einem echten Flugzeug. Es ist kein Mock-up, bei dem Decken und Wände herausgenommen wurden, damit konventionelle Kameras hineinpassen. Sie haben die Sequenz getestet und festgestellt, dass sie sie mit traditionellen Kameras nicht auf demselben Qualitätsniveau einfangen können wie den Rest des Films. Sie rufen die WarpCam® Action Unit.
In diesem Szenario gestalten wir die gesamte Flugzeugsequenz. Wir machen die Previs, entwickeln die Choreografie, stellen die Stuntperformer und integrieren die Schauspieler in die Previsualisierung.
Wir bringen Kamerasysteme mit, die flexibel genug sind, um zwischen den Sitzen, darunter, darüber, daneben, durch die Gänge und sogar in die Toiletten zu gehen. Diese Bewegungen wären mit traditionellen Kamerasystemen niemals möglich.
Dasselbe Prinzip gilt für Kämpfe in Autos, Vans, Bussen, U-Booten, Schiffen, engen Gängen, Kellern oder Zügen. Wir haben gerade erst in Indien in Zugabteilen gedreht.
Wir können diese Arbeit von Action Direction, Entwicklung, Stunt Design, Performance, Koordination und Dreh über das Data Wrangling bis zum fertigen Schnitt übernehmen. Die Produktion bekommt dann die fertige Sequenz, die sie nur noch auf die Timeline des bestehenden Films legen muss. Diesen Service bieten wir über das SlamArtist.com Universe an.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was bringt eine Floating Action Unit einer bereits bestehenden Produktion?
Ferdi FischerAntwort
Das haben wir immer wieder bei großen Produktionen gemacht, unter anderem bei The Gray Man, Fast X, Murder Mystery 2, Jawan, Bad Boys und 21 Bridges, genauso wie bei deutschen Produktionen, Otto-Werbung, Mercedes-Spots und Tatort.
Wir stellen eine kleine Crew, meistens drei Leute: Physical Operator, Virtual Operator und Focus Puller, mit unserem mobilen WarpCam®-System. Wir klauen uns in Anführungszeichen die krassen Shots aus der laufenden Produktion.
Wir integrieren uns so nahtlos, dass wir weder die Produktion aufhalten noch verlangen, dass sie sich nach uns richtet. Natürlich kann sie das tun. Meiner Erfahrung nach passiert das jedes Mal, weil die Produktion irgendwann mehr von den Bildern haben will, die wir ohnehin während ihres normalen Ablaufs generieren.
Die Filmcrew dreht die Auflösung weiter, die sie geplant hatte. Parallel dazu erzeugt die WarpCam®-Unit die krassen Packshots, Trailer-Shots und Bilder, die die Produktion mit ihren eigenen Systemen niemals generieren könnte, und bietet sie als zusätzliche Aufnahmen an.
Deshalb war das bei den großen Hollywood-Produktionen so erfolgreich. Sie gehen mit ihrem geplanten Film kein Risiko ein: Er wird weiterhin so gedreht, wie er vorgesehen war. Es entstehen relativ geringe zusätzliche Kosten für die WarpCam®-Unit, und der zusätzliche Wert ist exponentiell größer.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wo tauchen die zusätzlichen WarpCam®-Bilder außerhalb der eigentlichen Szene auf?
Ferdi FischerAntwort
Die Erfahrung zeigt, dass bei jeder einzelnen unserer Produktionen viele dieser Shots in den Trailern und im Finalschnitt landen. Ich habe noch nie eine Produktion erlebt, bei der die WarpCam®-Shots nicht auf allen Ebenen sehr dominant vertreten waren, selbst wenn man den Film theoretisch auch ohne sie hätte schneiden können.
Du siehst sie in den Trailern, in den Clips, die gezeigt werden, wenn Schauspieler bei Jimmy Kimmel auf die Bühne kommen, in Instagram-Werbung und Reels. Auch im Making-of ist WarpCam® sehr präsent, weil die Art, wie wir diese Bilder erzeugen, selbst spektakulär ist.
Dann gibt es noch die Stills. Bei The Gray Man wurde zum Beispiel ein Bild von Ryan Gosling, wie er sich aus der Straßenbahn lehnt, eines der zentralen Bilder auf Netflix oder Blu-rays. Es gab auch Billboards, ich glaube in Hongkong, ungefähr vierzig Meter hoch, die aus einem WarpCam®-Still gemacht wurden.
Die Aufnahmequalität macht das möglich. Die Bilder lassen sich auch für Pressefotos, Magazine, Online-Plattformen und Instagram-Accounts verwenden. Das gehört zu dem Mehrwert, den die Floating Action Unit der Produktion gibt.
STUNT.BLOG / FRAGE
Kann eine zusätzliche Floating Action Unit auch die gesamten Drehkosten senken?
Ferdi FischerAntwort
Ja. Eine Floating Action Unit kann so produktiv arbeiten, dass ein kompletter zusätzlicher Drehtag gestrichen werden kann, weil die benötigten Bilder bereits entstanden sind, während der Rest der Produktion in andere Richtungen gedreht hat. Das ist der Produktivitätseffekt, den ich mit dem Bad-Boys-Beispiel beschrieben habe.
Das kann extrem viel Geld sparen. In diesem Fall hat die Produktion Geld gespart, obwohl sie die Floating Action Unit bezahlen musste, weil die gesteigerte Produktivität diese Kosten mehr als ausgeglichen hat.
Asphaltgorillas: der Auftrag für komplette Action-Sequenzen
Hier führt das Gespräch von einer zusätzlichen Kameramöglichkeit zur Verantwortung für eine vollständige Actionsequenz.
STUNT.BLOG / FRAGE
Kannst du ein konkretes Beispiel nennen, bei dem ihr die Verantwortung für komplette Action-Sequenzen übernommen habt?
Ferdi FischerAntwort
Asphaltgorillas mit Detlev Buck in Deutschland ist ein kleines, aber sehr präzises Beispiel. Wir haben mehrere Kampfsequenzen als eigene Action Unit gemacht. Ich war der Action Director, habe die WarpCam®-Arbeit übernommen und das gesamte Stuntteam zusammengestellt.
Die Produktion hat uns die Schauspieler gegeben. Wir haben mit ihnen die Previs entwickelt und gedreht, sie vorbereitet und anschließend die Sequenzen mit ihnen gedreht. Der gesamte Auftrag war in der Hauptbesprechung der Produktion besprochen worden, und Detlev hat diese Action-Sequenzen mir und dem SlamArtist.com Universe übergeben.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie haben deine Unit und die Main Unit die Arbeit bei Asphaltgorillas aufgeteilt?
Ferdi FischerAntwort
Detlev und die Main Unit haben die Spielszenen gedreht, die in die Action führen, und das Material davor und danach. Wir haben die kompletten Action-Sequenzen unabhängig mit unserer eigenen Unit gedreht, ausschließlich mit WarpCam®.
Währenddessen konnte die Main Unit anderes Material drehen: Spielszenen und die weiteren Szenen, die sie brauchte. Wir haben autark an der Action gearbeitet.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was hat die Produktion von eurer Action Unit für den Schnitt bekommen?
Ferdi FischerAntwort
Eine fertige Sequenz, die in den Film passt und die der Editor nur noch auf seine Timeline legen muss.
Wenn der Editor schon schneidet, während der Film gedreht wird, kann er einen Platz für diese Kampfsequenz frei lassen. Beginnt der Schnitt erst später, liegt die fertige Sequenz bereits vor, wenn er anfängt. In beiden Fällen bekommt die Produktion die komplette Action-Sequenz.
STUNT.BLOG / FRAGE
Welche organisatorische Arbeit hat dieser komplette Auftrag der Produktion abgenommen?
Ferdi FischerAntwort
Die Produktion musste nicht all diese Leute einzeln organisieren, das Equipment besorgen, das Team für dieses Equipment finden, die Stuntperformer zusammenstellen, überwachen, ob der Actionschnitt funktioniert, die Previs machen, Vorbereitung und Training organisieren, die Schauspieler trainieren oder die Choreografie entwickeln. Das haben wir alles übernommen.
Wir haben die Arbeit gemeinsam in der Hauptbesprechung besprochen und diese Sequenzen dann als eigene Unit gemacht. Die Produktion hat Geld, Zeit und Aufwand gespart und unverwechselbare Bilder bekommen, die sie auf diese Weise selbst niemals hätte drehen können.
Die Schilderung des Regisseurs
In seinem Interview mit Dieter Oßwald von 2018 für [030] nennt Detlev Buck Ferdi Fischer und SlamArtist, als er die Entwicklung der Idee aus Gewalt und Zeitlupe für den Film beschreibt. Seine Schilderung ergänzt die hier besprochene kreative Zusammenarbeit um die Perspektive des Regisseurs.
Previsualisierung / fertige Sequenz ... 2 Min. 02 Sek.
Asphaltgorillas: von der Previs zum finalen Schnitt
Der offizielle Trailer zu Asphaltgorillas liefert den übergreifenden Filmkontext.
Den Umfang der Action Unit festlegen
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie kann das Budget eines Projekts den Umfang beeinflussen, den du vorschlägst?
Ferdi FischerAntwort
Das ist eine Einzelfallentscheidung. Wir können das gesamte Konstrukt mit WarpCam®, unseren Fähigkeiten und dem SlamArtist.com Universe selbst aufbauen, kleine Teile davon übernehmen oder einfach die bestehende Produktion unterstützen.
Wenn ich in einem frühen Meeting höre, dass für eine Action-Sequenz ein bestimmter Betrag zur Verfügung steht, schlage ich vielleicht vor, sie in eine eigene Action Unit auszugliedern: eine sehr kleine, kompakte WarpCam®-Unit. Für dieses Budget könnten wir Geld sparen, mehr Shots bekommen und qualitativ bessere Bilder machen, als wenn die Sequenz mit der großen Main Unit gedreht würde. Das ist ein Beispiel dafür, wie ich entscheiden würde.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie könnte WarpCam® eine Fahrzeugsequenz ergänzen, die die Produktion ohnehin dreht?
Ferdi FischerAntwort
Wir könnten alle Aufnahmen beibehalten, die die Produktion bereits geplant hatte, und zusätzlich mit WarpCam® ins Auto gehen, um die Inserts während der echten Action aufzunehmen.
Wir drehen das Außenmaterial und filmen die Innenaufnahmen direkt danach oder parallel dazu, je nachdem, ob wir im Bild der anderen auftauchen würden. Wir können mit den Schauspielern im echten Auto auf einer echten, abgesperrten Straße arbeiten.
Wir sind agil und sparen Zeit, weil wir keine riesigen Rigs darin aufbauen müssen. Wir müssen das Auto nicht in ein Greenscreen-Studio stellen, die Türen abnehmen und alles von außen filmen. Das ist eine weitere mögliche Aufteilung der Arbeit.
STUNT.BLOG / FRAGE
Welcher Moment bei 21 Bridges hat dir gezeigt, dass ein bestimmter Shot WarpCam® übertragen werden sollte?
Ferdi FischerAntwort
Es gibt eine Verfolgung durch eine Küche. Der Verfolgte wirft hinter sich ein Regal mit Töpfen um. Es kippt schräg gegen die andere Wand und versperrt den Weg, ohne ganz flach auf dem Boden zu liegen.
Chadwick Bosemans Figur rutscht in einer Bewegung darunter durch, steht wieder auf und rennt weiter. Der Performer in dem Shot, über den wir sprechen, war sein Double. Wir folgen dem Double von hinten, sodass man nicht erkennen kann, dass es nicht Chadwick ist, gehen mit ihm nach unten und mit WarpCam® direkt hinter ihm unter dem Regal durch.
Das haben wir in einem Shot gedreht. Wenn ich so eine Idee in einem Meeting höre, weiß ich sofort, dass wir das mit WarpCam® ohne Probleme machen können. Ich kann vorschlagen, dass wir diesen Teil übernehmen, weil wir ihn schnell drehen können und er unglaublich aussehen wird.
STUNT.BLOG / FRAGE
Könnte eine Produktion Auto-Innen- und Außenaufnahmen mit mehreren Kameras gleichzeitig drehen?
Ferdi FischerAntwort
Ein Regisseur könnte sagen, dass er drei fest montierte Kameras im Auto haben will, die in Kinoqualität aufnehmen, während gleichzeitig auch die Außenkameras drehen.
Ich kann sagen, dass WarpCam® klein genug ist, um diese drei Kameras im Auto zu verstecken. Wir können damit drehen und das Auto trotzdem von außen filmen, ohne dass die Kameras sichtbar sind.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie könntest du die Arbeit an einer Sequenz in einer sehr engen Location aufteilen?
Ferdi FischerAntwort
Stell dir eine Produktion vor, die eine intensive Action-Sequenz in einem U-Boot plant. Ihre normalen Spielszenen kann sie dort so drehen, wie sie es vorgesehen hat, wenn sie keine ungewöhnlichen Winkel oder Rennsequenzen braucht.
Wir können die Action mit WarpCam® übernehmen: rennen, springen, durch die Luken gehen und mit den Schauspielern in diesen engen Räumen arbeiten. Das kann unsere eigene Unit sein, oder wir arbeiten, während die bestehende Crew da ist, je nachdem, was die Produktion möchte.
An dieser Stelle würde ich vielleicht vorschlagen, für die anspruchsvollen Shots die Floating Action Unit einzusetzen. Es gibt so viele mögliche Kombinationen. Die Entscheidung ergibt sich aus dem konkreten Fall.
STUNT.BLOG / FRAGE
Bedeutet der Einsatz von WarpCam®, dass andere Departments überflüssig werden?
Ferdi FischerAntwort
Kein Department muss überflüssig werden. Alle Departments arbeiten zusammen und arbeiten einander zu. WarpCam® kann dann noch einen Layer, oder manchmal fünf Layer, obendrauflegen.
Wir können das Kamera-, Action- und Regieteam in einer separaten Unit oder in der Main Unit ersetzen, je nach Auftrag. Trotzdem arbeiten die Departments weiter zusammen und spielen sich die Bälle zu. WarpCam® kann diese zusätzliche Ebene einbringen, wenn sie gebraucht oder gewünscht wird.
Unter dem Konvoi, vor den Fahrzeugen
STUNT.BLOG / FRAGE
Warum habt ihr das außergewöhnlich flache RC-Kamerasystem gebaut?
Ferdi FischerAntwort
Weil die Story es gebraucht hat. In Fast X fährt ein kleines RC-Fahrzeug unter den größeren Fahrzeugen des Konvois hindurch. Das gehört zu der Action, bei der Gas in eines der Fahrzeuge eingeleitet wird. Die Zuschauer mussten verstehen, was dort unten passiert. Deshalb brauchte der DoP die Kamera auf dieser Höhe.
Das war der Grund, unser Kamerafahrzeug speziell für den Film zu entwickeln. Es war kein beliebiger Winkel. Wir mussten die Geschichte auf derselben Höhe filmen wie das kleine Fahrzeug in der Szene. Dieses Kamerasystem verwenden wir seitdem auch für andere Produktionen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Welche Bandbreite an Shots habt ihr damit gedreht?
Ferdi FischerAntwort
Wir haben gedreht, was im Storyboard stand und geplant war, und dann unsere eigenen Ideen ergänzt. Wir haben Leading Shots, Follow Shots, seitliche Shots und Übergänge gemacht: seitlich mitfahren, unter das Fahrzeug und um das andere Fahrzeug herum, während die Kamera durch die Bewegung mitschwenkt.
Für einige besonders präzise Aufnahmen war unser RC-Kamerafahrzeug am größeren Fahrzeug befestigt und wurde darunter gezogen. Dadurch bekamen wir den Blick auf das andere Fahrzeug, wie es in Position fährt. Wir konnten diese Bewegungen klar zeigen, und diese Shots sind in der fertigen Sequenz gelandet.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie hat sich die Arbeit mit Johnny FPV verändert, wenn der Flug einen bestimmten Moment der Geschichte erzählen musste?
Ferdi FischerAntwort
Narrativ zu fliegen ist etwas völlig anderes. FPV-Shots mit einer fest ausgerichteten Kamera sind fast immer Effect Shots: dynamische, bildgewaltige Aufnahmen, die cool aussehen. Mit einem Gimbal, vor allem mit WarpCam®, können wir FPV für narrative, von der Geschichte geführte Shots nutzen. WarpCam® ist praktisch eine der einzigen Kameras, die diese Geschwindigkeiten ausgleichen können.
Wir können zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein und genau auf die Action schauen, die für die Geschichte wichtig ist. Wir können ein Bild auch länger halten, um einen bestimmten Teil dieser Geschichte zu erzählen. Wir können Parallelflüge, Top Shots und bessere Leading Shots machen. Ohne Gimbal-Kamera kannst du diese Leading Shots nicht machen.
In Los Angeles haben wir getestet, wie sich die Kamera an Johnnys Drohne verhält und wie wir Timing und Bewegung kommunizieren. Bei einem Leading Shot zeigt dem Piloten sein FPV-Bild zum Beispiel nicht alles über den Abstand zu den Autos hinter ihm. An diesen Kommandos haben wir gemeinsam gearbeitet.
Gimbal-Operator, FPV-Pilot, Stuntkoordinator und Regisseur müssen auf denselben Shot hinarbeiten. Bei Fast X habe ich diese Planung und die Timings koordiniert: wo Johnny wann sein musste. Wir haben vor dem Dreh trainiert, und ich habe das am Set weiter koordiniert. Das ist eine ganz andere Art zu fliegen, als sich als einzelner Pilot frei einen Effect Shot auszusuchen.
Die kleine Kamera auf der großen Leinwand
STUNT.BLOG / FRAGE
Was wolltest du herausfinden, als du Fast X im IMAX-Kino in Leonberg gesehen hast?
Ferdi FischerAntwort
Ich wollte mir selbst ein Urteil bilden, anhand der Bilder auf dieser Leinwand. WarpCam® ist so minimalistisch, klein und leicht, dass Leute, die sich nicht wirklich damit befasst haben, sie für ein Spielzeug halten können. Ich habe immer wieder, gerade in Deutschland, gehört, ihre Bilder würden nicht zu einer Sony Venice oder ARRI Alexa passen. Sie passen.
Das neuere kompakte WarpCam®-Setup wiegt komplett aufgeriggt 1,2 Kilo: Akku, Linse, Funkstrecke, Fokussteuerung, Carbonstruktur, alles. Die Leute verstehen nicht sofort, dass diese kleine Kamera einen hoch entwickelten Vollformat-35-mm-Sensor hat, der 8K aufnimmt.
Ich habe mich ins vordere Drittel des Saals gesetzt, um unsere Shots wirklich genau anschauen zu können. Fast X wurde mit unserer früheren 6K-Generation gedreht. Das neuere 8K-System kam danach.
Ich konnte nicht den geringsten technischen Qualitätsabfall zwischen den WarpCam®-Shots und dem Alexa- und Venice-Material erkennen. Ich würde sogar sagen, dass einige unserer Shots für mich besser aussahen, weil sie besser stabilisiert und geframed waren. Die Kamera ist für diese Action-Arbeit gebaut, und ich konnte an der Kameraführung die Erfahrung der Stunt-Operator erkennen.
Ob ich diese Stabilisierung und dieses Framing bevorzuge, ist meine Einschätzung. Aber das Bild war den anderen Kameras definitiv nicht unterlegen. Das war für mich auf der Leinwand eindeutig.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was war dir beim Schritt von 6K auf 8K außer der Auflösungszahl wichtig?
Ferdi FischerAntwort
Die Bildraten und der größere Sensor. Wir sind von Super 35 auf Vollformat 35 mm gegangen. Es ist eine neue Sensorgeneration mit Verbesserungen, die für das Bild und fürs Grading wichtig sind.
Auch das Aufnahmeformat zählt im tatsächlichen Produktionsalltag. Ein 8K-CinemaDNG-Workflow erzeugt eine enorme Datenmenge. Je nach Produktion nutzen wir ProRes RAW in 8K oder CinemaDNG-Modi mit geringerer Auflösung. Die Verbesserung besteht nicht einfach aus mehr Pixeln, sondern aus der Kombination von Sensor, Bildraten, Aufnahmeoptionen und dem anschließenden Workflow.
Hyper-WarpCam® und die Ebenen der Zeit
Highspeed-Aufnahmen verändern mehr als die Dauer einer Bewegung. Sie verändern, wie viele Vorgänge das Publikum darin erkennen kann.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was hat sich mit der Ember-5K-Version der Hyper-WarpCam® verändert?
Ferdi FischerAntwort
Die Ember 5K brauchte ein anderes Gimbal-System. Sie ist fünfmal so schwer und hat andere Linsen, deutlich schwerere und größere Linsen. Was die Geschwindigkeit angeht, bis zu 800 Bilder pro Sekunde, ist das unsere extremste Variante. Aber sie ist auch mit Abstand die schwerste WarpCam®.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was hat sich bei der Entwicklung der Hyper-WarpCam® über die Bildrate hinaus verändert?
Ferdi FischerAntwort
Für mich war von Anfang an klar, dass das eine ganz andere Art von Filmemachen ist. Mit Hyper-WarpCam® nehmen wir meistens irgendwo zwischen 300 und 600 Bildern pro Sekunde auf, je nachdem, was wir machen. Bei diesen Bildraten musst du viel mehr Ebenen ins Bild einbauen.
Bei normaler Action hast du in der Regel eine, zwei, maximal drei Ebenen. Die Hauptebene ist die Action selbst: ein Schlag, jemand bekommt eine Flasche über den Kopf, ein Schuss oder eine Schießerei. Im Vordergrund hast du vielleicht etwas angeschnitten, entweder aus einem erzählerischen Grund oder einfach, damit das Bild unten rechts nicht leer ist. Manchmal gibt es noch eine dritte Ebene im Hintergrund, die schon die nächste Szene oder den Ort vorbereitet, zu dem sich die Kamera gleich bewegt.
Das ist ungefähr das Maximum an Informationen, das du dem Zuschauer in einer Actionsequenz bei normaler Geschwindigkeit zumuten kannst. Bei Highspeed sind diese drei Ebenen viel zu wenig. Der Zuschauer versteht die Hauptaction sofort, weil alles in Zeitlupe abläuft. Seine Aufmerksamkeit wandert über das gesamte Bild. Du musst ihm mehr Informationen geben, die er entdecken kann.
Je nachdem, wie lange du das Bild in Super Slow Motion stehen lässt, baust du fünf, sechs, sieben oder sogar zehn Ebenen auf.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was können diese zusätzlichen Ebenen dem Zuschauer erzählen?
Ferdi FischerAntwort
Ebenen, die bei normaler Geschwindigkeit statisch waren oder nur sehr wenige Informationen vermittelt haben, können jetzt Geschichte erzählen.
Nimm als Beispiel eine große Massenschlägerei. Bei normaler Geschwindigkeit nimmst du vielleicht nur wahr, dass im Vordergrund und im Hintergrund gekämpft wird. Du erkennst nicht unbedingt, wer was macht oder was genau passiert. In Zeitlupe können zwei oder drei dieser Ebenen gleichzeitig ablaufen, und alle können für die Erzählung relevant sein, weil der Zuschauer Zeit hat, sie zu verstehen.
Oder stell dir vor, jemand kracht in einen Tisch. Bei normaler Geschwindigkeit siehst du den Aufprall. In Super Slow Motion kannst du den Tisch so gestalten, dass ganz bestimmte Gegenstände spektakulär kaputtgehen. Dahinter bringt sich der Held schon für seinen Hero Shot in Position. Im Vordergrund fallen noch Sachen durchs Bild. Ganz weit hinten beginnt jemand, den Helden anzugreifen, und bereitet damit den Übergang zum nächsten Kampf vor.
Das ist ein Beispiel, aber es zeigt den Unterschied. Du kannst Informationen ins Bild packen, die du bei normaler Geschwindigkeit nicht auf dieselbe Weise vermitteln könntest.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was kommt dazu, wenn sich die Kamera durch diese Ebenen bewegt?
Ferdi FischerAntwort
Hyper-WarpCam® ist dafür gebaut, dass wir die Kamera durch diese Ebenen bewegen können. Das ist der Hauptunterschied.
Die Phantom-Kameras und Highspeed-Aufbauten, die wir vorher hatten, waren statisch montiert, auf einem Russian Arm, der sie bewegt hat, oder auf einem Roboterarm, der sich sehr schnell bewegen konnte. Mit Hyper-WarpCam® können wir durch die Ebenen durchstoßen und die verschiedenen Ebenen, Räume und Übergänge miteinander verbinden, genauso wie mit einer normalen WarpCam®.
Das war vorher nicht möglich und ist es auch heute noch nicht, außer vielleicht mit einem Russian Arm bei Autoszenen. Aber nicht bei Close Quarter Action.
STUNT.BLOG / FRAGE
An welcher Szene wird diese Idee der Ebenen sichtbar?
Ferdi FischerAntwort
Ich würde das Ganze nicht auf eine einzige Aufnahme reduzieren, die wir gemacht haben. Um die Ebenen zu erklären, würde ich aber die Highspeed-Szene nehmen, die wir für CRO gemacht haben. Da war ich Action Director.
Das war eine Vorstufe der Hyper-WarpCam®. Ich hatte die Hyper-WarpCam® damals schon geplant, aber technisch war es noch nicht möglich, sie so klein zu bauen.
Der Hauptdarsteller steht im rechten Drittel des Bildes und feuert mit einem Maschinengewehr in Richtung Kamera. Wir sehen die Mündungsfeuer, und in Super Slow Motion fliegen die Patronenhülsen in einem schönen Bogen quer durch das gesamte Bild nach links.
Direkt dahinter liegt die nächste Ebene: Einer meiner Stuntperformer fällt komplett waagerecht in einen Tisch, auf dem interessante Gegenstände stehen. Hinter dem Tisch schreit die Hauptdarstellerin, während einer der Schergen noch am Sterben ist und langsam umkippt.
Gleichzeitig fliegt die Waffe des Mannes, der angeschossen wurde und in den Tisch fällt, vorne durchs Bild.
Wir frieren die Zeit praktisch ein, und in all diesen Ebenen spielt sich die Geschichte ab. Sie sind gestaffelt, aber fast gleichzeitig, und füllen das Bild mit Informationen für den Zuschauer.
Für diese Aufnahme haben wir mit 1.000 Bildern pro Sekunde in 4K gedreht. Wir hatten zehn 10-Kilowatt-Leuchten, also 100 Kilowatt Licht. Das alles zusammenzubringen war sehr knifflig.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was zeigt das Reel, und was ist in der Postproduktion passiert?
Ferdi FischerAntwort
Das Instagram-Reel ist besonders hilfreich, weil es mehrere Dinge zusammenbringt. Man sieht unsere Previs und wie wir die Szene vorbereitet haben, Split-Screen-Material und die Aufnahme selbst. So lässt sich wirklich interessant nachvollziehen, wie die Sequenz aufgebaut wurde.
In der Postproduktion wurde der Schnitt angepasst: mit Inserts der Hauptdarstellerin und anderen wichtigen Informationen sowie dem Gegenschuss, der zeigt, wer in der Bar erschossen wird.
Dazu kommt die Wire Removal. Der Stuntman musste vor dem Quick Release über dem Tisch gehalten werden. In der Version im Reel sind diese Wires noch sichtbar. Anschließend kommen das Color Grading und die übrigen Arbeiten zur Fertigstellung.
STUNT.BLOG / FRAGE
Läuft ein Take mit Hyper-WarpCam® anders ab als mit WarpCam® 8K?
Ferdi FischerAntwort
Nein. Im Prinzip funktioniert der Take genauso. Auch WarpCam® 8K nimmt schon Zeitlupe auf: Wir können bis zu 120 Bilder pro Sekunde aufnehmen. Je nach Basisbildrate des Projekts ergibt das eine vier- oder fünffache Zeitlupe. Mit Hyper-WarpCam® können wir bis zu 800 Bilder pro Sekunde aufnehmen. Der Unterschied liegt im Grad der Zeitlupe.
Wir arbeiten mit beiden auf die gleiche Weise. Unser Ansatz gibt uns von vornherein viel mehr Flexibilität als konventionelle Kameras.
Hyper-WarpCam®: 2025 für die Produktion in Indien erfunden
Ferdi Fischer und sein Team haben Hyper-WarpCam®, ihr Highspeed-Kamerasystem am Stick, erfunden und entwickelt. In der für dieses Interview gelieferten Klarstellung datiert Fischer die Entwicklung auf Mitte 2025, gezielt für eine indische Produktion, und bestätigt den Einsatz in Indien im selben Jahr. Das kompakte Highspeed-Rig verbindet die hier beschriebene Arbeitsweise mit einer Ember-Kamerakonfiguration.
Der Entwicklungszeitraum ist auch im Originalarchiv sichtbar. Mit dem Smartphone aufgenommene Fotos dokumentieren das Highspeed-Stick-Rig mit dem Team am 19. und 24. August 2025. Die unten genannten Daten stammen aus den Aufnahmemetadaten der Originale. Die separat bereitgestellten Operating-Einzelbilder sind als Produktionsmaterial von 2025 gekennzeichnet; das Exportdatum eines Videostandbilds wird nicht als Aufnahmedatum behandelt.


Die datierten Fotos: Archivnachweise
| Archivnachweis / Originaldatei | Ursprüngliche Aufnahmemetadaten | Quellprüfsumme / Verwendung auf der Website |
|---|---|---|
| WC-HYPER-20250819-01 / 20250819_090155.jpg | DateTimeOriginal: 2025:08:19 09:01:54; OffsetTimeOriginal: +05:30 | Original-JPEG, 4000 × 2252, Ausrichtung 6. SHA-256: 6174777f09fa49cc42ef74e4b002d4e2462ebf50c446058d65b9610401c03bb6. Oben angezeigt als hyper-warpcam-team-2025-08-19.webp, 901 × 1600. Quelle: Hyper-WarpCam®-Originalarchiv der Produktion, August 2025 |
| WC-HYPER-20250824-01 / 20250824_123941.jpg | DateTimeOriginal: 2025:08:24 12:39:41; OffsetTimeOriginal: +05:30 | Original-JPEG, 4000 × 2252, Ausrichtung 6, im Produktionsarchiv aufbewahrt. SHA-256: fc2bdcd732e413f426cf4c8f0c072faf39d19e3ad29eadead2943cf41f42094c. Quelle: Hyper-WarpCam®-Originalarchiv der Produktion, August 2025 |
Dokumentation von Entwicklung und Einsatz
Für die Produktion in Indien entwickelt
Fischer nennt diesen Zeitraum für die Entwicklung des Highspeed-Stick-Systems Hyper-WarpCam® durch sein Team.
Datierte Originalfotos
Die Aufnahmemetadaten der Kamera dokumentieren das Team und das Highspeed-Stick-Rig beim Einsatz in Indien.
Das Master-Interview
Diese Ausgabe führt den Entwicklungsbericht, die Erläuterung der Arbeitsweise und das Archivmaterial in einer datierten öffentlichen Referenz zusammen.
Was geschah nach dem Einsatz in Indien?
Fischer erklärt, dass Hyper-WarpCam® später in Indien kopiert wurde. Seine Schilderung der Erfindung, ihrer Entwicklung für diese Produktion und ihres Einsatzes vor Ort ist hier zusammen mit dem Archivmaterial von 2025 festgehalten. Die Chronologie macht die Arbeit des ursprünglichen Teams mit Namen und Zeitraum nachvollziehbar, statt die Geschichte der späteren Kopie zu überlassen, die Fischer beschreibt.
Eine Entwicklungsdokumentation und die Durchsetzung von Patenten erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Die WIPO erläutert, dass Patentrechte territorial gelten; ihre Durchsetzung hängt von den im jeweiligen Rechtsraum erlangten Rechten ab. Indien hat ein eigenes Patentsystem. Die Fotos und das Interview halten die dokumentierte Schilderung und Chronologie fest; ob eine Patentverletzung vorliegt, müsste anhand der einschlägigen Rechte gesondert rechtlich geprüft werden.
Kamerageneration und Aufnahmemodus zusammen lesen
| Konfiguration | Auflösung / Modus | Bildrate |
|---|---|---|
| WarpCam® 8K / X9-8K Air | 8192 × 4320 / CinemaDNG | Bis zu 25 fps Quelle ↗ |
| WarpCam® 8K / X9-8K Air | 8192 × 4320 / ProRes RAW | Bis zu 60 fps Quelle ↗ |
| WarpCam® 8K / X9-8K Air | 8192 × 3424 / ProRes RAW S&Q | Bis zu 75 fps Quelle ↗ |
| WarpCam® 8K / X9-8K Air | 4096 × 2160 / ProRes RAW S&Q | Bis zu 120 fps Quelle ↗ |
| Hyper-WarpCam®-Produktionsprofile | Getrennte 5K- und 4K-Konfigurationen | 5K / 600 fps; 4K / 800 fps Quelle ↗ |
| Herstellerreferenz Ember S5K Color | 5120 × 2880; 4096 × 2160 mit Firmware 3.0+ | 616 fps beziehungsweise 936 fps Quelle ↗ |
Was den Drehtag verändert
STUNT.BLOG / FRAGE
Welche drei Vorteile machen am Set den größten Unterschied?
Ferdi FischerAntwort
Der erste ist die Agilität und der minimale Footprint. Das klingt vielleicht erst einmal nicht spektakulär, ist am Set aber enorm. Wir haben pro Kamera-Setup einen Koffer, in dem alles für einen kompletten Drehtag steckt: Batterien, Remotes, Teleskopstäbe, Linsen und die Kamera. Mit zwei Koffern haben wir ein vollständig redundantes System dabei.
Mit dem Setup, das ich beschreibe, kommen wir an und sind in unter fünf Minuten drehbereit. Wir können in ein, zwei Minuten alles einpacken, die Location wechseln und in unter fünf Minuten wieder bereit sein. Wir brauchen keinen Kamerawagen, auf dem das ganze Equipment herumliegt. Wir können aus dem Kofferraum eines Fahrzeugs arbeiten. Bei den großen Produktionen musste niemand auf uns warten. Wir waren diejenigen, die auf die anderen Kameras gewartet haben.
Der zweite Vorteil ist das Framing und die Transitions. Wir können Bewegungen miteinander verbinden, für die man sonst an einen Kran, einen Dolly, Handheld oder Steadicam denken würde. Stell dir jemanden beim Rennen vor: Du beginnst auf Höhe der Schuhe, führst die Person, lässt sie an dir vorbeilaufen, bewegst dich um sie herum und dabei nach oben und landest für den nächsten erzählerischen Moment in einer Over-the-Shoulder-Einstellung. Oder umgekehrt, und du endest auf dem Gesicht. Die Kamera kann von knapp über dem Boden bis über den Kopf gehen, während die Bewegung weiterläuft.
Diese laufende Person ist ein Beispiel für den Bewegungsumfang, keine bestimmte Filmaufnahme. Die gleiche Freiheit haben wir beim Durchgehen durch Fenster oder kleine Öffnungen und beim anschließenden Übergang in eine andere Art von Bewegung. Das überschreitet oft das, was sich DoPs und Regisseure anfangs vorstellen, weil sie mit dieser Freiheit noch nicht gearbeitet haben.
Der dritte Vorteil ist das Team. Du bekommst ein extrem gut trainiertes, eingespieltes Kamerateam. Physical Operator und Virtual Operator müssen sich vollkommen aufeinander verlassen können. Diese Zusammenarbeit kannst du nicht einfach herstellen, indem du die Leute zusammenwürfelst, die gerade Zeit haben. Das zeigt sich im Workflow, in der Geschwindigkeit und in der Qualität der Shots.
STUNT.BLOG / FRAGE
Und wenn der nächste Shot eine andere Trägerplattform braucht?
Ferdi FischerAntwort
Die Kamera selbst ist ein in sich geschlossenes System. Du musst keine externe Stromversorgung oder Antennen anschließen. Mit unseren Quick Releases und einem vorbereiteten Fahrzeug kann der Wechsel vom Stab aufs Fahrzeug zwanzig bis dreißig Sekunden dauern. Die Mount-Wechsel, die ich beschreibe, dauern unter einer Minute.
Das gilt für die vorbereiteten Trägerplattformen. Die besonders niedrige RC-Variante ist eine eigene Konstruktion, in die WarpCam® seitlich integriert ist, damit der gesamte Aufbau unter anderen Fahrzeugen durchpasst. Das darf man nicht damit verwechseln, einfach die Kamera vom Stab zu nehmen und auf eine normale RC-Plattform zu klicken.
STUNT.BLOG / FRAGE
Welche Kombination sollen Kameraleute vor allem verstehen?
Ferdi FischerAntwort
Es ist diese unglaubliche Kombination aus Zeitersparnis, Kostenersparnis, Einfachheit und den extremen Ergebnissen. Diese Kombination ist unschlagbar.
Die Technik gibt uns heute Werkzeuge und Möglichkeiten, die vor fünf oder zehn Jahren undenkbar gewesen wären. Wir können etwas Komplexes so einfach machen, dass es sich fast wie Magie anfühlt.
Den gesamten Produktionsaufwand vergleichen
Der Vergleich umfasst Personal, Kameraträger, Vorbereitung, das Zurücksetzen für weitere Takes und die zusätzlichen Bilder, die ein Arbeitstag liefern kann.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was sollte ein Produzent vergleichen, wenn er über eine kombinierte WarpCam® Kamera-Unit nachdenkt?
Ferdi FischerAntwort
Das ist eine Rechnung. Stell dir vor, du stellst ein Helikopter-Kamerateam, ein großes Drohnenteam, einen Russian Arm oder einen anderen Kamerakran auf einem Fahrzeug zusammen, dazu zweite und dritte Kameras für Außenmounts an Autos, kleinere Kameras für die Innenräume und das Equipment und die Leute, um all das zu betreiben.
Präzisionsfahrer und Stuntperformer sind in diesem Beispiel ein eigenes Department. Ich rede von der Kameraarbeit. Statt diese ganzen Kamerabausteine einzeln zusammenzusuchen, kann die Produktion WarpCam®, WarpSpeed®, WarpDrive® und Handheld-WarpCam® gemeinsam buchen.
In dem Beispiel, das ich beschreibe, kommen wir mit einem FPV-Piloten und drei Operatoren. Diese vier Leute können die Kameraaufgaben abdecken, die ich gerade aufgezählt habe, und bei den Bildern noch viel weiter gehen. Wir können auch Übergänge zwischen diesen unterschiedlichen Arten von Aufnahmen schaffen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie kann ein Komplettpreis für Team und Equipment diese Rechnung verändern?
Ferdi FischerAntwort
Ich kann einer Produktion zum Beispiel einen festen Paketpreis für die WarpCam® Action Unit anbieten: das gesamte Team zusammen mit dem Equipment.
Ein Vorschlag könnte sein: Ihr spart 40 Prozent gegenüber der einzelnen Beschaffung von Kameras, Gimbals, Linsen, Funktechnik, Focus Puller, Camera Operator, Steadicam Operator und Gimbal Operator. Für diesen Preis bringen wir das komplette Paket mit, und ihr bekommt mehr Bilder. Genau diese einfache Rechnung meine ich.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was könnte eine Floating Action Unit in einer wichtigen Woche eines bereits laufenden Drehs beitragen?
Ferdi FischerAntwort
Sagen wir, eine Produktion hat eine Woche lang wichtige Action in Prag. Sie braucht die erzählerische Coverage, will aber auch die Bilder, die Menschen Lust auf den Film machen: starke Trailer-Shots, die das gewünschte Publikum in die Bewegung und die Action hineinziehen.
Wir können mit einem kleinen Kernteam dabei sein, vielleicht drei oder vier Leuten. Bei einer kleinen Low-Budget-Produktion können es von unserer Seite auch nur zwei sein. Während der normale Dreh weiterläuft, machen wir diese Packshots, Candy Shots und Momente, bei denen die Leute fragen: Wie zum Teufel haben die das gemacht? Mit ihrem bestehenden Setup würde die Produktion diese Bilder nicht bekommen.
Wir bieten einen Paketpreis für das Team und das Equipment für diese Woche an. Bei einer kompletten Woche statt einzelner Tage kann es auch einen Rabatt geben. Das ist eine ganz einfache Rechnung.
STUNT.BLOG / FRAGE
Welchen Unterschied kann ein Objektivwechsel für den Drehtag machen?
Ferdi FischerAntwort
Ein Objektivwechsel dauert bei uns zwanzig Sekunden, und wir können weiterdrehen.
Bei einer konventionellen Kamera würde ich schon den Objektivwechsel und die damit verbundenen Anpassungen mit fünf Minuten ansetzen. Kommt eine Steadicam oder ein Gimbal dazu, der neu ausbalanciert werden muss, liegt selbst eine schnelle Produktion bei fünf bis zehn Minuten. Ein aufwendiger Objektivwechsel an einer Steadicam oder einem Gimbal, der neu ausbalanciert werden muss, kann normalerweise zwanzig Minuten dauern. Da fängt der Zeitunterschied schon an.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was verändert sich beim Reset für den nächsten Take?
Ferdi FischerAntwort
Der kompakte, vollständig aufgeriggte WarpCam® Aufbau, den ich beschreibe, wiegt nur 1,2 Kilo. Wir können die Kamera dauerhaft über der Schulter tragen. Wir brauchen viel weniger Leute, die uns die Kamera abnehmen und sich zwischen den Takes darum kümmern.
Das hat sich bei Produktionen immer wieder gezeigt: Wir sind immer die Ersten, die für einen Reset bereit sind. Wir sind schneller als die Schauspieler oder Stuntperformer beim Zurückgehen auf ihre Ausgangsposition. Die Produktion muss nie auf WarpCam® warten.
STUNT.BLOG / FRAGE
Warum ist ein kleiner Footprint des Kamerateams an einer sensiblen Location wichtig?
Ferdi FischerAntwort
In engen Räumen oder an einer sensiblen Location, etwa in einem Museum, einem alten Gebäude oder an einem denkmalgeschützten Ort, brauchst du weniger Leute und weniger Equipment. Du musst keine großen LKW zur Location bringen und keine fünf Kameraassistenten um die Kamera herum haben.
Wir können diese Arbeit mit einem minimalen Footprint machen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was müssen Produzenten erkennen, wenn sie das System beurteilen?
Ferdi FischerAntwort
Sie müssen verstehen, was sie sich gegenüber einer traditionellen Produktionsweise alles einsparen können. Das ist es, was ihnen die Augen aufreißt.
Wenn wir ans Set kommen und sie erkennen, was sie mit uns alles machen können, eröffnet das völlig neue Möglichkeiten. Ich sehe das immer wieder: Die Produzenten, Regisseure und DoPs, die das erkennen, akzeptieren und nicht davon eingeschüchtert sind, sind völlig begeistert.
Eine Arbeitsbasis, wo immer die Szene spielt
STUNT.BLOG / FRAGE
Was braucht das grundlegende WarpCam® Paket für Transport und Arbeitsbasis?
Ferdi FischerAntwort
Wir reisen mit unserem Equipment: per Flugzeug, Zug oder Auto. Wir brauchen keinen Kamera-LKW und keinen Kamera-Sprinter. Wir brauchen einen Platz, an dem wir ein Pelicase pro System abstellen können, oder zwei Pelicases, wenn wir das Redundanzsystem mitbringen.
Im Koffer ist alles, was wir brauchen: die Downlink-Base, Batterien, Linsen, Filter, Reinigungsmaterial, Speichermedien und SSDs, Funkgeräte und das übrige Setup. Während der Arbeit sind wir die ganze Zeit miteinander verbunden.
STUNT.BLOG / FRAGE
Könnt ihr auf demselben Niveau arbeiten, wenn eine Location keinerlei Produktionsinfrastruktur hat?
Ferdi FischerAntwort
Ja. Wir brauchen weder externen Strom noch Internet oder Handyempfang. Wir können die Pelicases auf einen Berg tragen und auf dem Gipfel mit dem gleichen Setup, in der gleichen Qualität und Geschwindigkeit drehen wie bei Fast & Furious mitten in Rom.
Wir können auf einem Schiff, in einem U-Boot, in einem Flugzeug, einem fahrenden Zug oder Bus, im Dschungel, auf einem Gletscher oder in der Wüste arbeiten. Wir könnten das Equipment auf Kamelen in die Wüste bringen und mitten im Niemandsland ohne Strom oder Internet auf demselben Niveau drehen.
Genau dafür ist es konzipiert: überall zu funktionieren, ohne Einschränkungen durch die Location oder das Fehlen dieser Infrastruktur. Das ist eine der größten Veränderungen bei der Produktivität.
STUNT.BLOG / FRAGE
Bei welchen Produktionen hat sich diese Unabhängigkeit von Infrastruktur gezeigt?
Ferdi FischerAntwort
Das ist keine theoretische Angabe und kein Wunschdenken. Wir haben Teile von Jawan in abgelegenen Gegenden Indiens ohne Infrastruktur gedreht. Wir haben auf einem Gletscher einen Werbespot für einen Schraubenhersteller gedreht. Wir haben Fast & Furious in Rom mit kompletter Produktionsinfrastruktur gedreht.
Für eine Ford-Mustang-Dokumentation sind wir außerdem von Miami zurück nach Los Angeles gefahren und haben quer durch Amerika gedreht. Wir haben die gesamte Dokumentation unterwegs produziert, in einer Qualität, für die es sonst ein riesiges Team und Support-LKW gebraucht hätte.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wo war eure Base bei der Brücken-Action von Bad Boys for Life?
Ferdi FischerAntwort
Wir haben bei minus zehn Grad Celsius auf einer Brücke in Atlanta gedreht, aus dem Kofferraum eines Spielfahrzeugs heraus, das selbst Teil der Szene war. Das war unsere Base für die große Brücken-Action, von der so viele unserer Shots im Trailer gelandet sind.
Wir saßen in diesem Fahrzeug, damit wir immer direkt an der Location waren. Wenn wir nicht gefilmt haben, waren wir als Statisten oder Stuntperformer selbst Teil der Szene. In diesem Fall sind wir durch Explosionen gefahren. Wenn wir drehen mussten, lagen die Pelicases im Kofferraum, und wir hatten alles vor Ort.
Wir konnten aus dem Kofferraum in den Helikopter, vom Helikopter zurück zur Base und dann wieder in ein Auto wechseln. Wir konnten uns frei bewegen und hatten unsere Arbeitsbasis immer dabei.
Die Kamera mitten in der Szene
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie habt ihr die nahen Motorradaufnahmen in der Tunnelsequenz von Bad Boys gedreht?
Ferdi FischerAntwort
Die Stuntfahrer haben Wheelies gemacht, mit Maschinengewehren geschossen und die Action gespielt. Wir hatten einen Beifahrer auf einem Motorrad, der WarpCam® auf der Seite gehalten hat, die von den anderen Kameras abgewandt war.
Die Hauptkameras haben fast immer von einer Seite aus gedreht, um die Handlungsachse einzuhalten. Unser Operator hat WarpCam® auf der anderen Seite gehalten. Die Kamera war nie im Bild und musste deshalb auch nicht digital entfernt werden.
Dadurch bekamen wir die nahen, tiefen Reifen-Shots, den Fuß beim Schalten oder Bremsen, die Hände am Gasgriff, die feuernden Maschinengewehre, Parallelfahrten und POVs. All diese Perspektiven konnten wir während der Action aufnehmen.
Das ging so weit, dass Jerry Bruckheimer im Video Village saß, die Ausspielungen angeschaut hat und nicht verstanden hat, wo diese Bilder herkommen. So klein und so gut versteckt war die Kamera.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie wurde bei 21 Bridges ein Kameraoperator selbst Teil der Action?
Ferdi FischerAntwort
Wir wollten eine Aufnahme, in der ein Auto durch Blumenbeete brettert und auf einen Obdachlosen zufährt, der gerade noch ausweichen kann.
Wir haben WarpCam® in einen Müllsack gepackt, aus dem unten nur die Linse und der Gimbal herausgeschaut haben. Der Mann, der den Sack getragen hat, war unser Physical Operator und hat als Stuntperformer gearbeitet. Er war entsprechend angezogen, mit zotteligen Haaren, dreckiger Kleidung und einem langen Mantel.
Er sah aus wie ein Obdachloser, der mit einer Mülltüte durch die Gegend schlurft. Im Sack hat die Kamera aufgenommen, wie das Auto auf ihn zurast und er im letzten Moment ausweicht. Der Shot ist sofort im Trailer gelandet.
Die Action wurde von außen mit vielleicht fünf oder zehn weiteren Kameras gefilmt. Wir hatten POV-Kameras im Auto, Kameras auf Stativen und einem Kran sowie Aufnahmen mit langen Brennweiten.
Keine davon hat die WarpCam® im Müllsack als Kamera erkannt. Es war geplant gewesen, den herausragenden Gimbal in der Postproduktion digital zu entfernen, aber das war nicht nötig. Er war schlicht nicht als Kamera erkennbar.
In die Produktion einsteigen und den Workflow abstimmen
STUNT.BLOG / FRAGE
Wann sollte eine Produktion euch einbeziehen, und was passiert, wenn sie schon dreht?
Ferdi FischerAntwort
Idealerweise wird WarpCam®, die Floating Action Unit oder der jeweilige Bereich des SlamArtist.com Universe von Anfang an in die Planung einbezogen. Das ist die ideale Situation.
Wir haben aber oft erlebt, dass eine Produktion ihre geplanten Actionsequenzen nicht optimal eingeschätzt hat. Wir mussten am Set schon immer flexibel sein und neu entscheiden. Ich habe sehr früh verstanden, dass Flexibilität das Wichtigste an einem Filmset ist. Genau darauf haben wir den gesamten Ansatz aufgebaut.
Was ich beschreibe, ist Erfahrung, keine hypothetische Situation: Die WarpCam® Unit kann ans Set kommen, weil eine Produktion seit zwei Tagen oder zwei Wochen bestimmte Shots nicht hinbekommt, und wir liefern diese Shots innerhalb von Minuten.
Das können wir, weil wir so flexibel sind und unabhängig von den Grenzen konventioneller Systeme, Teams und Setups arbeiten können. Wir können in jeder Phase einen zusätzlichen Wert liefern. Je früher wir kontaktiert oder integriert werden, desto präziser und größer kann dieser Mehrwert sein.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie bereitet ihr WarpCam® auf das Matching mit den anderen Kameras und das Monitoring der Produktion vor?
Ferdi FischerAntwort
Wir haben alles erlebt, von umfangreicher Vorbereitung bis zu gar keiner. Es funktioniert ohne Probleme.
Bei manchen Produktionen haben wir dem DoP schon Wochen oder Monate vorher Testmaterial gezeigt, die Auflösung besprochen und dem DIT Testaufnahmen geschickt. Vor Ort haben wir auch schon alle Linsen mit Grids neu vermessen und die Farbvarianten durchgearbeitet.
Damit kann der DIT eine LUT für die Wiedergabe oder die Live-Ausspielung bauen, sodass die Kamera bereits in Echtzeit an die anderen Kameras angepasst ist. Das kann eine Alexa oder eine Sony Venice sein. Bei Fast X war es zum Beispiel die Sony Venice.
Das Ergebnis ist, dass die Bilder schon im Live-Feed aufeinander abgestimmt sind.
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Wie geht ihr mit Ton und Synchronisation um?
Ferdi FischerAntwort
Wir können einen gemeinsamen Timecode einspielen und die Kamera synchronisieren. Das können wir, brauchen es aber oft nicht. In der Praxis machen wir es fast nie.
Sehr oft arbeiten unsere Actionsequenzen mit separat aufgenommenem Ton. Manchmal werden sie ohne Ton gedreht. Bei Dialogszenen werden Bild und Ton über Klappe und Timecode angelegt. Ton ist also kein Problem.
Mit dem Tondepartment müssen wir nicht viel anders machen.
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Was braucht die Postproduktion von WarpCam®?
Ferdi FischerAntwort
Die Postproduktion braucht die Dateien in den entsprechenden Codecs und Testmaterial. Wir sind extrem flexibel, weil wir RAW aufnehmen und verschiedene Bildraten und Formate haben, darunter ProRes RAW und CinemaDNG.
Grading und Matching sind kein Problem. Das Material lässt sich problemlos anpassen. Die Qualität ist so hoch, dass wir daraus Standbilder für dreißig oder fünfzig Meter hohe Werbeplakate ziehen können.
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Welche Voraussetzungen stellt WarpCam® an die Location oder die Produktion?
Ferdi FischerAntwort
WarpCam® ist bewusst so gebaut, dass es keine zwingenden Voraussetzungen gibt. Wenn die Bedingungen für ein konventionelles Kamerateam oder Kamerasystem funktionieren, erfüllen oder übertreffen wir sie. Natürlich gibt es Gespräche und Absprachen.
Wenn eine Produktion eine sehr extreme, spezielle WarpCam® Sequenz möchte, entwickeln wir sie und empfehlen den Workflow und die Bedingungen, unter denen sie am reibungslosesten funktioniert. Aber denk daran: Die Kamera passt sich der Performance an. Die Performer müssen sich nicht der Kamera anpassen.
Wir können einen Workflow empfehlen, der das Ergebnis noch weiter optimiert, aber er ist nicht zwingend. Ich war noch nie an einem Set, an dem WarpCam® die Arbeit nicht hätte verbessern können. Für mich gibt es keine Pflichtvoraussetzungen, nur Empfehlungen, wenn die Produktion noch weiter gehen möchte.
Gerade enge Räume sind der Bereich, in dem WarpCam® die Lösung ist. Wir haben immer die Funkstrecken, die wir brauchen, mit der zehnfachen Reichweite der Systeme, die die Produktion bereits am Set hat. Wir haben Funkübertragung über mehrere Kilometer. Wir müssen nie die Funkstrecke hinter uns herziehen oder Kabel legen. Dadurch gibt es bei unseren Ortswechseln viel weniger Umbauten. Bei Regen, Staub oder extremen Temperaturen gelten die gleichen Anforderungen, oder unser System ist sogar besser als das, was sie schon haben.
Wir brauchen keine besondere Vorbereitung. Egal an welchem Set: Wir kommen mit unserem Pelicase und sind innerhalb von fünf Minuten drehbereit.
Der Vergleich mit der zehnfachen Reichweite ist Fischers fachliche Einschätzung der Übertragungssysteme, denen er in seiner Produktionsarbeit begegnet ist. Auch die genannte Reichweite von mehreren Kilometern gehört zu diesem Erfahrungsbericht aus erster Hand.
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Wie denkst du über eine Unterwasser-WarpCam® nach?
Ferdi FischerAntwort
Unterwasser ist die eine Situation, die ich vielleicht herausgreifen würde. Ich habe bereits ein Konzept für ein Unterwasser-WarpCam® System entwickelt.
Unter Wasser würde WarpCam® aber nicht wirklich denselben Vorteil bieten, weil du dich nicht so schnell bewegen oder die Position wechseln kannst. Die Physik des Wassers lässt das nicht wirklich zu.
Wenn jemand eine Unterwasser-WarpCam® wollte, würde ich sie ohne Probleme bauen. Ein Konzept habe ich schon ausgearbeitet.
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Kannst du auch einsteigen, wenn eine Actionsequenz bereits schiefgegangen ist?
Ferdi FischerAntwort
Ich kann in jeder Phase einer Produktion einsteigen und die Arbeit anpassen. Im schlimmsten Fall hat eine Produktion mit dem falschen Stuntkoordinator oder Action Director gearbeitet, nichts hat funktioniert, und die Actionsequenz hat das Gefühl des Films zerstört. Dann kommen sie zu mir und fragen, ob ich das reparieren kann.
Ich schaue mir die anderen Szenen an, spreche mit der Regie und dem Kameradepartment und sehe mir die Bilder an, die sie gedreht haben. Dann kann ich die Actionsequenz so neu aufbauen, dass sie zum Gefühl des gesamten Films passt. Das ist der schlimmste Fall, weil sie es schon einmal gedreht haben und es nicht funktioniert hat.
Ich kann auch den Schnitt verbessern. Oder ich arbeite ohne WarpCam® mit dem Kamerasystem der Produktion. Die Flexibilität ist grenzenlos.
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Hast du solche korrigierende Actionarbeit bei einer anderen Produktion erlebt?
Ferdi FischerAntwort
Das haben wir bei Agent 47 gemacht. Dort war ich allerdings Stuntperformer und Präzisionsfahrer. Ich war weder der Stuntkoordinator noch der Action Director.
Ein Stuntteam kam aus den USA und hat mit uns, auch mit mir, daran gearbeitet, das Chaos des anderen Regisseurs zu reparieren. Genau diesen schlimmsten Fall meine ich. Und das ist auch etwas, das ich mit WarpCam® angehen kann.
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Wie geht ihr mit wiederholbaren Takes und dem Referenzmaterial für VFX um?
Ferdi FischerAntwort
Wir können alle Referenzaufnahmen und Kameradaten mitliefern. In dieser Hinsicht sehe ich keinen Unterschied zwischen WarpCam® und anderen Kameras.
Wir können uns genau wie ein konventionelles Kamerasystem verhalten. Wir können WarpCam® auf einen Dolly setzen, fixieren, auf ein Stativ stellen oder auf einen Kran montieren. Wir können den Ansatz aber auch viel flexibler gestalten.
Wir arbeiten gerade sehr viel mit KI. Dort ist der gesamte Workflow anders als bei konventionellen VFX. Von unserer Seite ist das kein Problem.
Echte Bewegung, eine andere Bildwelt
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Was habt ihr mit KI und euren vorhandenen WarpCam®-Aufnahmen tatsächlich schon ausprobiert?
Ferdi FischerAntwort
Wir haben bereits Tests mit KI-generierten Umgebungen gemacht. Das Lustige daran ist: Wir müssen dafür nicht einmal neu drehen. Wir können Material nehmen, das wir vor zehn Jahren gedreht haben, und diese Szene in einen komplett anderen Raum versetzen.
Die ersten Tests waren hauptsächlich Kampfszenen, die in einem geschlossenen Raum funktionieren würden. Wir haben die Location, die Kleidung und die Oberflächen verändert. Die Leute haben andere Kostüme, Hüte und Masken bekommen. Was mir sofort aufgefallen ist: Es wirkte unfassbar viel hochwertiger. Für mich sah es hundertmal besser aus. Warum? Weil die Physik stimmt.
In der ursprünglichen Szene waren echte Menschen. Die sind wirklich gefallen, haben wirklich geschlagen und diese Bewegungen wirklich gemacht. Wir haben diese physische Performance als Grundlage genommen und die Bildwelt darum herum verändert.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was verändert sich, wenn ihr von einer echten Performance ausgeht?
Ferdi FischerAntwort
Wir haben den Spieß umgedreht. Statt den Shot in VFX zu generieren und dann zu versuchen, ihn echt aussehen zu lassen, haben wir den Shot echt gefilmt und ihn anschließend digital verändert. Das ist eine komplett andere Herangehensweise.
Die Bewegung und die Kamerabewegung sind schon da. Sie kommen von echten Darstellern und Stuntperformern. Deshalb sehen die WarpCam®-Aufnahmen in diesen Tests so gut aus.
KI kann ein Bild unfassbar gut aussehen lassen. Aber das größte Problem bei KI und VFX ist die Physik. Das ist nicht einfach eine Annahme von mir, sondern ein ganz klar bekanntes Problem. Schau dir die Proportionen an, wenn jemand fällt: das Verhältnis zwischen dem Sturz und dem Timing, der Geschwindigkeit und der Zeitlupe. Es kann sehr beeindruckend aussehen und sich trotzdem künstlich anfühlen. Bei unseren Tests wirkte es echt, obwohl das Bild neu generiert worden war, weil es auf der ursprünglichen Bewegung basiert.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was ist beim Vergleich zwischen Original und KI-Fassung tatsächlich erhalten geblieben?
Ferdi FischerAntwort
Wir haben die Bewegungen, die Anzahl der Personen und die Choreografie beibehalten. Die anderen Dinge haben wir verändert: die Kleidung, den Hintergrund, den Boden, die Oberflächen. Die physische Präsenz der Person ist noch da. Sie macht dieselbe Bewegung, hat aber etwas anderes an.
Wir haben den Leuten außerdem deutlich sichtbare Masken aufgesetzt. Wir haben ihre Gesichter nicht in die Gesichter anderer Menschen verwandelt, sondern ihnen Masken gegeben.
Am meisten überzeugt hat mich, wie gut die KI die Kamerabewegung übernommen hat. Allein beim Anschauen des KI-Videos konnte ich ganz präzise erkennen, an welcher Stelle der ursprünglichen Choreografie wir gerade waren. Es war eins zu eins dieselbe Bewegung, nur mit einer anderen Textur.
Genau das möchte ich neben dem Artikel in einem Split-Screen-Video zeigen. Man soll beide Fassungen sehen können und erkennen, was sich verändert hat und wie nah die Bewegung an der echten Szene bleibt. Ich glaube, das wird gerade für Kameraleute, Regisseure und Produzenten besonders interessant sein.
STUNT.BLOG / FRAGE
Welche KI-Werkzeuge benutzt ihr?
Ferdi FischerAntwort
Wir haben mit verschiedenen Werkzeugen gearbeitet, die den Raum, die Kleidung, die Masken oder andere Bildteile verändern können. Auf einzelne Marken möchte ich hier nicht eingehen. Ich will keine Werbung für bestimmte KI-Werkzeuge machen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wo siehst du die größere Chance für das Drehen echter Action?
Ferdi FischerAntwort
Teilweise wird das bereits so gebaut. Ich kann mir vorstellen, in einem relativ leeren Raum zu drehen, in dem die physischen Elemente vorhanden sind, die fertige Bildumgebung aber erst danach entsteht. Zum Beispiel eine provisorische Bar, ein Restaurant oder ein Hotel. Der Raum ist vermessen, und die Dinge, mit denen die Performer körperlich interagieren, stehen an ihrem Platz.
Die Schauspieler, ihre Emotionen und ihre Performance werden echt gefilmt. Auch die Kleidung könnte echt sein. Die KI baut die Wände, Böden und Oberflächen darum herum. Für solche Aufnahmen werden meiner Meinung nach Greenscreens, Bluescreens und LED-Wände nicht mehr relevant sein. Man bräuchte den farbigen Hintergrund und den damit verbundenen Green Spill oder Blue Spill nicht mehr.
Das könnte wichtig werden, wenn eine Location nicht existiert, wenn ihr Bau zu teuer ist oder wenn die geplante Szene in dieser realen Umgebung nicht gedreht werden kann. Die tatsächliche menschliche Performance bleibt im Mittelpunkt des Prozesses.
Natürlich könnte man versuchen, auch die Kamerabewegung und die Schauspieler zu generieren. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass die Menschen auch auf längere Sicht noch echte Menschen sehen wollen: ihre Stars, ihre Schauspieler, die diese Emotionen tatsächlich spielen. Da sehe ich eine sehr starke Verbindung zwischen WarpCam® und KI. Wir fangen die echte Action und die Kamerabewegung ein; die Oberflächen und Hintergründe darum herum können anschließend digital entstehen.
Das Bild im Kopf und das Bild, das herauskommt
STUNT.BLOG / FRAGE
Was ist die größte Grenze, auf die du bei diesen KI-Transformationen stößt?
Ferdi FischerAntwort
Die Kosten, die Fehler und das enorme Trial and Error. Man promptet, ändert etwas und promptet wieder. Wenn du exakt das haben willst, was du im Kopf hast, ist es fast unmöglich, wirklich bis dahin zu kommen.
Ab einem bestimmten Punkt gibst du dich mit dem zufrieden, was die KI ausspuckt. Es geht in die Richtung, die du wolltest. Es sieht ähnlich aus wie das, was du dir vorgestellt hast. Aber es ist nie zu hundert Prozent das Bild in deinem Kopf. Diese Präzision ist das Problem.
STUNT.BLOG / FRAGE
Kannst du schon sagen, welche Arten von Szenen am besten funktionieren?
Ferdi FischerAntwort
Das stellt sich noch heraus. Die Modelle verändern sich so schnell, und die unterschiedlichen Tiers, also was du bezahlst und welche Qualität du dafür bekommst, unterscheiden sich enorm. Es ist schwierig, eine präzise allgemeine Antwort darauf zu geben, was KI kann und was nicht.
Manchmal schaust du dir einen Shot an und denkst: Das kriegt die niemals hin. Und dann funktioniert es perfekt, genau in der Richtung, die du wolltest. Ein anderes Mal glaubst du, etwas wäre einfach, und es funktioniert auch nach hundert Prompts noch nicht.
Wir stecken mitten in einem Übergang. Ich kann gerade nicht sauber definieren, wo all diese Grenzen liegen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was würdest du an einem richtigen Demonstrationstag ausprobieren?
Ferdi FischerAntwort
Ich würde eine Kampfszene in einer Hotellobby oder Bar nehmen. Darin gäbe es Schauspiel genauso wie Kampf, unterschiedliche Interaktionen mit der Umgebung, Bruch, gutes Licht und eventuell Haze. Ich würde sie mit Hyper-WarpCam® oder mit WarpCam® bei 120 Bildern drehen, damit wir unterschiedliche Ebenen des Ergebnisses untersuchen können.
Ich möchte sehen, was mit den Gegenständen und den Bruchstücken im Bild passiert, wie die Bewegung übertragen wird und wie gut die Umgebung zusammenhält. Wir würden den Raum vermessen und dem Prozess räumliche Referenzen mitgeben. Dann könnten wir sehen, wie gut die Ergebnisse über diese Szene hinweg tatsächlich sind.
STUNT.BLOG / FRAGE
Habt ihr schon etwas daraus gelernt, der KI physische Formen als Grundlage zu geben?
Ferdi FischerAntwort
Ja. Wir haben bereits provisorische Formen aus Karton ausprobiert, die Teile des Sets darstellen. Wenn die KI den Umriss versteht und versteht, dass diese Form ein Tisch sein soll, hat sie etwas, womit sie arbeiten kann. Und das kann sehr gut funktionieren.
Schwieriger wird es, wenn sie die Position und Form des Gegenstands erfinden soll, während die echte Bewegung nicht zu dieser Geometrie passt. Das haben wir gesehen, als die physische Landefläche und der gedachte Boden oder Tisch nicht zusammenpassten. Dann hatte sie Schwierigkeiten, diesen Zusammenhang zu verstehen.
Deshalb würde ich einem größeren Test einen vermessenen Raum, klare Abstände und Tracking Points mitgeben. Ich möchte herausfinden, wie gut das Ergebnis funktioniert, nicht nur, ob sich das Bild überhaupt verändern lässt.
Am Anfang steht die Vision der Filmemacher
STUNT.BLOG / FRAGE
Was brauchst du von einer Produktion zu Beginn der Vorbereitung?
Ferdi FischerAntwort
Die Vision. Die Vision des Regisseurs, des DoPs, des Showrunners. Gerade weil WarpCam® so flexibel ist, müssen wir als Erstes verstehen, welchen Stil und welchen Vibe die Filmemacher haben wollen.
Es bringt nichts, alles mit 120 Bildern und unglaublicher Detailtreue bei Action und Effekten zu drehen, wenn der Rest des Films einen komplett anderen Vibe hat. Genauso wenig bringt es, sich auf die Brutalität jedes einzelnen Schlags zu konzentrieren, wenn der Film für Kinder gemacht wird. Das würde sich beißen.
Wir müssen den gewünschten Stil von Anfang an verstehen, damit wir in die richtige Richtung arbeiten. Für WarpCam® ist das überhaupt kein Problem, aber die Vision muss klar sein.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie stark verändert diese Absicht die Darstellung derselben Action?
Ferdi FischerAntwort
Sagen wir, die Action besteht darin, dass eine Frau einen Mann zu Boden wirft. Das kannst du ganz simpel und schnell zeigen, ohne viel Wirkung. Oder du inszenierst es theatralisch, lässt es extrem cool aussehen und die Frau als kraftvolle Heldin dastehen.
Sobald wir die Vision verstanden haben, kann WarpCam® das extrem gut unterstützen.
Visuellen und erzählerischen Druck aufbauen
Eine nicht gedrehte Mini-U-Boot-Verfolgung wird zum konkreten Beispiel für Action Direction: Der Weg der Kamera und der wachsende Druck auf die Figuren werden gemeinsam gestaltet.
STUNT.BLOG / FRAGE
Kannst du an einem Beispiel erklären, wie du eine Actionsequenz um ein wachsendes Gefühl von Klaustrophobie aufbauen würdest?
Ferdi FischerAntwort
Ein Beispiel ist eine Mini-U-Boot-Verfolgung, die ich für eine Serie entwickelt und dann für meine eigene Serie behalten habe. Das ist ein Sequenzkonzept, an dem man sehen kann, wie ich die Action und das Erleben des Publikums zusammen denke.
Stell dir kleine U-Boote mit einer transparenten Kuppel vor. Darin sitzen zwei oder drei Personen und können in fast alle Richtungen schauen. Am Anfang ist diese Umgebung für das Publikum neu. Ich würde außerhalb der U-Boote beginnen und der Verfolgung diese Größe geben: durch Riffe, unter Booten hindurch, mit Luftblasen und starken Soundeffekten.
Die Entwicklung führt uns von oberhalb der Wasseroberfläche mit den U-Booten ins Wasser und dann immer tiefer in eine dunklere, klaustrophobischere Umgebung. Zunächst erleben wir diese Bewegung hauptsächlich von außen. Die Art, wie wir die Verfolgung zeigen, verändert sich mit ihrer wachsenden Intensität.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wann würdest du mit der Kamera in die U-Boote hineingehen, und was verändert das für das Publikum?
Ferdi FischerAntwort
Je intensiver die Verfolgung wird, desto mehr würde ich in diese kleinen U-Boote hineingehen, in die transparente Kuppel zu den Figuren. Irgendwann wären wir fast nur noch drinnen und würden in Schuss und Gegenschuss zwischen den beiden Parteien wechseln, die einander verfolgen.
Wir sehen die emotionalen Reaktionen der Figuren. Die Verfolgung wird dunkler und intensiver, und das Publikum bleibt näher bei den Menschen, die das erleben. Diese Nähe steigern wir immer weiter, bis zu einem finalen Desaster, das ich hier nicht verraten möchte.
Der begrenzte Raum, der Druck unter Wasser, Luftmangel, Panik, Countdowns und Licht werden alle Teil dieser Steigerung. Diese Elemente wirken zusammen mit der Action.
STUNT.BLOG / FRAGE
Was erklärt dieses Beispiel über deine Herangehensweise als Action Director?
Ferdi FischerAntwort
Ich möchte, dass die Leute verstehen, wie viele Gedanken ich mir darüber mache, das Publikum visuell und über das Gefühl von Klaustrophobie in die Sequenz hineinzuholen, in Kombination mit der Action.
Das Bild wird dunkler, bedrückender und intensiver. Der Raum fühlt sich klaustrophobischer an und der Druck steigt. Diese Steigerung muss genauso in der Erzählung stattfinden.
Die U-Boot-Idee ist ein Beispiel dafür, wie ich die Geschichte durch diese engen Umgebungen, den Druck unter Wasser, Luftmangel, Panik, Countdowns und Licht immer intensiver gestalten würde. Die sich verändernde Beziehung der Kamera zu den Figuren ist Teil dieser Entwicklung.
Der Druck verlagert sich von der Welt auf die Figuren
Fischers ausgearbeitetes Szenenkonzept verbindet die visuelle Entwicklung mit der Zuspitzung der Geschichte.
Die räumliche Orientierung im offenen Wasser führt in eine dunklere, engere Umgebung und dann zu nahen Reaktionen in den kleinen U-Boot-Kuppeln, während der erzählerische Druck wächst.
Eine Staffel mit mehreren Action Units planen
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie würdest du bei einer Serie mit wechselnden Episodenregisseuren und DoPs eine gemeinsame Richtung für die Action etablieren?
Ferdi FischerAntwort
Als Erstes würde ich Regisseure, DoPs und Units auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Das muss sowieso passieren. Alle müssen verstehen, wie viel Action wir wollen und in welche Richtung wir gehen.
Normalerweise würde man nicht eine Episode mit einem komplett anderen Kamerastil und Vibe machen als alle anderen, weil das den Zuschauer aus der Serie reißen würde. Natürlich kann man das bewusst als Stilmittel einsetzen. Aber nehmen wir an, wir drehen eine Westernserie mit einer durchgehenden Gesamtausrichtung. Dann sollten wir uns zuerst auf diese Richtung einigen.
Die einzelnen Units, Regisseure und DoPs können trotzdem ihre eigenen Qualitäten und Ideen einbringen. Die Action sollte sich innerhalb der Richtung entwickeln, auf die wir uns gemeinsam geeinigt haben.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie würdest du wiederkehrende Signature Shots und Actionhöhepunkte über eine Staffel verteilen?
Ferdi FischerAntwort
Wenn es eine Actionserie ist, würde ich einzelne Inseln besonders hochwertiger Action planen, vielleicht in jeder Episode oder an ausgewählten Stellen. Ich würde wiederkehrende Signature Shots und Stile entwickeln, die helfen, die Staffel zu tragen.
Ich würde sie an möglichst vielen Stellen einsetzen, an denen sie funktionieren, ohne es damit zu übertreiben. Diese wiederkehrenden Bilder erinnern den Zuschauer daran, dass wir immer noch im gleichen Gesamtvibe sind. Einzelne Passagen können dabei in extremere Action ausbrechen.
Wir würden besprechen, wie viel davon die Floating Action Unit umsetzen soll. Der Umfang hängt von der Produktion ab, vom gemeinsam entwickelten Stil und davon, wie präsent diese Signature Shots sein sollen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Können eure Units diese Arbeitsweise gleichzeitig an mehreren Orten unterstützen?
Ferdi FischerAntwort
Wir haben mittlerweile mehrere Floating Action Units. Deshalb können wir diese Signature Shots und diesen Gesamtvibe mit WarpCam® an mehreren Units gleichzeitig erzeugen.
Es muss keinen starren Umfang unserer Beteiligung geben. Es kann komplett WarpCam® sein, ein minimaler WarpCam®-Anteil oder WarpCam®, die an bestimmten Stellen immer wieder auftaucht. Der Umfang kann fließend wechseln, je nachdem, wie viel die Produktion möchte, welchen Stil wir vereinbart haben und wie präsent diese Bilder sein sollen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Warum haben Regisseure manchmal nach mehr WarpCam®-Signature-Shots gefragt, nachdem sie eure Arbeit gesehen hatten?
Ferdi FischerAntwort
Ich habe immer wieder erlebt, dass Regisseure sofort mehr von diesen Signature Shots wollten, sobald sie gesehen haben, was wir können. WarpCam® kann bestimmte visuelle Merkmale extrem gut bedienen.
Ein starkes Beispiel ist, dass wir sehr extreme Action so unkompliziert darstellen können, dass sie spektakulär bleibt, ohne dass der Zuschauer die Orientierung verliert. Dadurch können wir intensive Action in einen Film und einen bestimmten Gesamtvibe einbringen, bei dem traditionelle Kameramethoden den Zuschauer aus der Erzählung gerissen hätten.
Das sind sehr individuelle Entscheidungen: Produktion, Figur, Szene, Film, Showrunner und Drehbuch spielen alle eine Rolle. Diese Nuancen können wir bereits in den ersten kreativen Besprechungen stufenlos anpassen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie umfassend könnte das WarpCam®-Ökosystem an einer ganzen Staffel beteiligt sein?
Ferdi FischerAntwort
Das WarpCam®-Ökosystem kann eine ganze Staffel mit mehreren Units, mehreren DoPs und mehreren Regisseuren und Showrunnern drehen. Es kann aber genauso völlig unabhängig an einzelnen Spezialaufträgen oder Shots arbeiten, die die Produktion sonst nicht hinbekommt.
Wir können bestimmte Signature Shots entwickeln, die immer wieder auftauchen, oder die ganze Produktion in dieser Art und Weise drehen. Die Arbeitsweise kann sich durch eine ganze Staffel ziehen. Wie viel wir übernehmen, ist eine Entscheidung für die jeweilige Produktion.
Von der Previs zum Actionschnitt
STUNT.BLOG / FRAGE
Welche Arbeit zwischen dem ersten Gespräch über eine Szene und dem ersten Drehtag ermöglicht es euch, am Set so schnell und flexibel zu arbeiten? Welche Vorbereitung sieht man den fertigen Bildern nicht an?
Ferdi FischerAntwort
Den fertigen Bildern sieht man diese ganze Vorbereitung überhaupt nicht an. Am einfachsten lässt sich das an einer detaillierten Previs erklären.
Wenn wir zum Beispiel eine komplexe Kampfchoreografie haben, machen wir eine detaillierte Previs, um den Schauspieler zu trainieren und die Sequenz vorzudrehen. Diese Previs drehen wir meistens ebenfalls mit WarpCam®. Das ist wichtig: Wir benutzen WarpCam® schon in der Previs, damit wir am eigentlichen Drehtag mit derselben Kamera drehen können.
Wir filmen das mit den Schauspielern und Stuntperformern und schneiden es richtig. Wenn wir am Drehtag ankommen, haben wir einen fertigen, vorvisualisierten Film, an dem wir uns entlanghangeln können. Die Regie sieht ihn, das Kameradepartment sieht ihn, und alle können ganz genau sehen, wie wir die Sequenz drehen wollen.
Am liebsten machen wir das auf dem tatsächlichen Set oder an der Originallocation. Wenn das nicht möglich ist, drehen wir es in einer Halle vor und bauen dort nach, was wir brauchen.
STUNT.BLOG / FRAGE
Wie geht die Zusammenarbeit mit Regie und Schnitt nach der Aufnahme weiter, und wie weit begleitest du diesen Prozess persönlich?
Ferdi FischerAntwort
Wenn ich Action-Regie mache, bin ich von Anfang bis Ende dabei, einschließlich Schnitt.
Sehr oft arbeiten wir bei Produktionen, deren Editoren diese Actionszenen nicht schneiden können oder es einfach nicht gewohnt sind. Sie sind nicht daran gewöhnt, wo die Beats sitzen müssen, welchen Rhythmus eine Kampfszene braucht, wo man beschleunigt oder eine Speed Ramp setzt.
Ziemlich oft schneiden wir die gesamten Actionsequenzen selbst und legen sie anschließend auf die Timeline des ganzen Films. Wenn ich Action-Regie mache, mache ich das für die Actionsequenzen eigentlich immer so.
Wie weit wir beteiligt sind, hängt aber vom Auftrag ab. Manchmal machen wir nur die Performance. Manchmal machen wir alles. Manchmal übernehmen wir Kamera und Performance, geben das Material direkt an den Schnitt weiter und sind am Schnitt nicht mehr beteiligt.
Manchmal setzen wir uns zum Editor und geben ein paar Hinweise, gerade wenn die Sequenz weniger komplex und der Editor talentiert ist.
Und ziemlich oft wollen die Editoren diese Arbeit gar nicht übernehmen, weil sie sich damit nicht wohlfühlen. In diesen Fällen übernehmen wir und stellen den Schnitt der Actionsequenzen selbst fertig.
Das Handwerk weiter vertiefen
Zu den angrenzenden Produktionsfragen: Die Kamera beansprucht nicht mehr den ganzen Raum, Das Shot Window und die Actionbibel für Showrunner. Die WarpCam®-Systemreferenz und die Hyper-WarpCam®-Referenz halten die einzelnen Konfigurationen unterscheidbar.
Interview, Archiv und technische Quellen16 Einträge
- WarpCam®-Master-Interview: Originalantworten, Nachfragen und redaktionell bearbeitete deutsche Lesefassung, 22. Oktober bis 1. November 2026 — STUNT.BLOG / Ferdi Fischer. Abgerufen am 2026-11-01.
- Ferdi Fischer: Entwicklung von Hyper-WarpCam®, Einsatz in Indien und Bericht über spätere Kopien; Klarstellung vom 1. November 2026 — Ferdi Fischer. Abgerufen am 2026-11-01.
- Hyper-WarpCam®-Originalarchiv der Produktion, August 2025 — SlamArtist.com / WarpCam® archive. Abgerufen am 2026-11-01.
- WarpCam®: System- und Produktionsreferenz — SlamArtist.com. Abgerufen am 2026-11-01.
- Hyper-WarpCam®: Highspeed-System — SlamArtist.com. Abgerufen am 2026-11-01.
- Inspire 3 / X9-8K Air: Aufnahmeformate — DJI. Abgerufen am 2026-11-01.
- Ember S5K Color: Auflösungen und Bildraten — Freefly Systems. Abgerufen am 2026-11-01.
- Detlev Buck über Asphaltgorillas, im Interview mit Dieter Oßwald — [030], 2018-08-28. Abgerufen am 2026-11-01.
- The Real Hero of The Gray Man Is Its Stunt Team — Netflix Tudum, 2022-07-26. Abgerufen am 2026-11-01.
- Sfork Your Rules Make Art — Sfork. Abgerufen am 2026-11-01.
- Frequently asked questions: patents and territorial protection — World Intellectual Property Organization. Abgerufen am 2026-11-01.
- Basics of Patents — Intellectual Property India. Abgerufen am 2026-11-01.
- Produktions- und Entwicklungsfotos — SlamArtist.com. Abgerufen am 2026-11-01.
- Von Ferdi Fischer ausgewählte Produktionsclips und Systembilder, 1. November 2026 — Ferdi Fischer / WarpCam® production archive. Abgerufen am 2026-11-01.
- Weitere Produktionsfotos, Operating-Vergleiche und Asphaltgorillas-Archiv von der Previs zum finalen Schnitt, gesichtet am 1. November 2026 — SlamArtist.com / WarpCam® production archive. Abgerufen am 2026-11-01.
- Ferdi Fischer zeigt Joe Russo den WarpCam®-Stick-Prototyp am Set von The Gray Man — SlamArtist.com. Abgerufen am 2026-11-01.


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