Das Interview dauert 40 Minuten. Dieser Beitrag verdichtet es. Vier Themen tragen den Text: frühes Actiondesign, kontrolliertes Risiko, Kamerahandwerk und Vertrauen im Team.
Kameraentscheidungen können wiederholte körperliche Belastung verringern. Das ist Fischers Argument. Stuntarbeit beginnt vor dem Take.
Das Originalinterview ist auf Deutsch. Der verknüpfte Upload liegt bei SlamArtist. Er enthält englische Untertitel und vollständige Transkripte.
Ferdi Fischer arbeitet als Action Director, Stuntkoordinator, Performer und spezialisierter Kameraoperator. In seinem Gespräch mit SWR1-Leute-Moderator Jens Wolters laufen diese Rollen in einer Frage zusammen: Was muss geschehen, bevor Action auf dem Bildschirm mühelos aussehen kann?
Dieser verdichtete Beitrag folgt vier Gedanken aus der Sendung: frühe Gestaltung, kontrolliertes Risiko, Kamerahandwerk und das Vertrauen zwischen den Menschen hinter dem Bild.
Der Stunt beginnt vor dem Take
Das Gespräch löst sich schnell vom vertrauten Bild eines Stuntperformers, der ans Set kommt, um lediglich einen Treffer einzustecken. Fischers zentrale Korrektur: Moderne Stuntarbeit beginnt viel früher. Der Beruf hat sich in Richtung Action- und Stuntdesign entwickelt – körperliche Performance wird auf Schauspieler, Kamera, Geschichte und die praktischen Grenzen der Produktion abgestimmt.
Wirework kann Schauspieler bei simulierten Stürzen sichtbar halten. Übernimmt ein Spezialist die körperliche Performance, kann digitales Face Replacement die Identität des Schauspielers im Bild erhalten. Die Technik hat sich verändert, das Ziel nicht: Das Publikum soll die Gefahr glauben, ohne die Kontrollmechanismen dahinter zu sehen.
Fischer stellt diesem Prozess seine Kindheit auf BMX-Rädern und Skateboards gegenüber. Diese Jahre sahen oft weniger dramatisch aus, sagt er, waren aber deutlich weniger kontrolliert. Professionelle Action kann gerade deshalb gefährlicher wirken, weil sie geplant, vorbereitet, trainiert und abgesichert ist.
SWR1 Leute / 40:16
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Das Interview ist auf Deutsch; der Upload von SlamArtist enthält englische Untertitel. YouTube wird erst geladen, wenn die Wiedergabe gestartet wird.
Von Angst zu Respekt
Fischer beschreibt Angst nicht als etwas, das ausgelöscht werden muss. Vor einem Stunt kann sie eine schwache Annahme aufdecken oder eine falsche Entscheidung verhindern. Die Aufgabe besteht darin, diese Reaktion durch Vorbereitung, Wiederholung und eine ehrliche Einschätzung der Situation in Respekt zu verwandeln.
Wenn die Action beginnt, sollte der Rahmen bereits feststehen. Der Performer muss sich auf den Teil konzentrieren, den er kontrollieren kann, und zugleich den Prüfungen, dem Rigging und den Menschen um sich herum vertrauen. Diese Unterscheidung zieht sich durch das Gespräch: vorher alles hinterfragen, dann den vereinbarten Plan konsequent ausführen.
Ebenso klar spricht er über Verletzungen: Sie sind keine Medaillen. Wenn jemand verletzt wird, ist etwas schiefgegangen. Das professionelle Ideal ist nicht Angstlosigkeit, sondern ein kalkuliertes Risiko, das vor Beginn der Action beurteilt wurde.
Wenn die Kamera Teil der Sicherheit wird
WarpCam® entstand aus einer konkreten Frustration: Körperlich anspruchsvolle Stunts wurden bisweilen verpasst oder schlecht aufgenommen, weil sich die Ausrüstung nicht mit der Action bewegen konnte. Fischer erinnert sich daran, 24-mal in ein Grab springen zu müssen, weil die Action nicht richtig eingefangen wurde – ein extremes Beispiel, das seiner Ansicht nach niemals normal sein sollte.
Die Antwort war ein kleineres, leichteres und stabilisiertes Kamerasystem für Nähe und Geschwindigkeit. Bei Fast & Furious 10 hatte Fischers Team nach seiner Aussage eine eigene Unit am Set. So konnte es sich frei bewegen und Actionerfahrung mit dem Kamerasystem verbinden, um Perspektiven aufzunehmen, die für andere Kameras nicht erreichbar waren.
Die redaktionelle Aussage reicht über das Gerät hinaus. Eine bessere Kamera kann Wiederholungen reduzieren, und mit jeder vermiedenen Wiederholung entfällt eine weitere körperliche Gefährdung. Deshalb gehört es zum Stunt Design, die Action klar einzufangen; es ist keine nachträglich ergänzte Coverage. Diesen Zusammenhang untersuchen wir im Produktionsmaßstab in unserem Bericht über taktische Authentizität und im Praxisleitfaden zum Stunt-Rigging.
Je weniger Takes wir machen, desto geringer ist das Risiko, dass wir uns verletzen.— Ferdi Fischer – SWR1 Leute; deutsche Fassung nach dem von SlamArtist.com veröffentlichten englischen Transkript · Quelle ↗
Niemand arbeitet allein
Im Interview geht es immer wieder um gegenseitige Abhängigkeit. Stuntperformer tragen Matten, helfen beim Rigging, sichern einander an Kanten und vertrauen ihre Sicherheit Kollegen an, deren Arbeit womöglich nie im Bild erscheint. Daraus entsteht eine Nähe, die sich Fischer zufolge von der in den meisten anderen Abteilungen am Set unterscheidet.
Dasselbe Prinzip gilt für WarpCam®. Das System wird nicht von einer einzelnen Person bedient: Ein Operator bewegt die Kamera physisch, ein zweiter steuert den Bildausschnitt aus der Distanz, und ein Focus Puller hält das Bild scharf. Die fertige Einstellung gehört einer koordinierten Unit, nicht einem einzelnen Gerät.
Diese Teamhaltung erklärt auch Fischers Verhältnis zur Sichtbarkeit. Ihm ist wichtiger, Schauspieler und Geschichten überzeugend wirken zu lassen, als selbst vom Publikum erkannt zu werden. Sein persönlicher Bericht über den Highfall am Burgsteinfelsen zeigt, wie diese Abhängigkeit von einer Crew außerhalb eines Interviewstudios aussieht. Die Arbeit gelingt, wenn die Illusion eindeutig ist und die Maschinerie dahinter verschwindet.
Quellen und Sendedaten
- SWR1 ‘Leute’ Interview: Behind the Scenes of Hollywood Stunts — Ferdi Fischer / SlamArtist.com, 2025-12-15. Abgerufen am 2026-07-21.
- Stunt-Performer Ferdi Fischer: Blick hinter die Kulissen von Hollywood-Blockbustern — SWR / ARD Mediathek, 2024-07-25. Abgerufen am 2026-07-21.
- Action und Stunts: Stuntman Ferdi Fischer ist der Mann für den Rumms in Hollywood — SWR1, 2024-07-17. Abgerufen am 2026-07-21.




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